Bester Film, bester Hauptdarsteller, bester Nebendarsteller, beste Nebendarstellerin und beste Regie – „12 Years A Slave“ wurde mit Oscar-Nominierungen in allen Hauptkategorien bedacht – zurecht.

 

Regisseur Steve McQueen widmet sich in seinem dritten Kinofilm einem düsteren Kapitel der amerikanischen Geschichte. „12 Years A Slave“ spielt 1841: Solomon Northup (Chiwetel Ejiofor) lebt als Farbiger in New York als freier Mann mit seiner Frau und seinen Kindern. Als dem begabten Musiker ein lukratives Angebot von zwei Fremden gemacht wird, nimmt er an und reist mit ihnen nach Washington. Dort warten zunächst Auftritte auf den Geigenspieler, später dann findet sich Solomon in Ketten wieder – auf dem Weg in den Süden, wo immer noch die Sklaverei herrscht.

Dort muss der eigentlich freie Mann auf verschiedenen Farmen arbeiten, sich von Weißen wie Dreck behandeln und demütigen lassen. Irgendwann kommt er auf die Farm von Edwin Epps (Michael Fassbender), der sich selbst als „Nigger-Brecher“ bezeichnet, und entsprechend despotisch und unberechenbar seinen Sklaven gegenüber auftritt.

Regisseur McQueen, der auch als Fotograf und bildender Künstler erfolgreich ist und für seine Werke bereits den renommierten Turner-Preis erhielt, zeigt dem Zuschauer dieses dunkle Kapitel der Geschichte in seiner ganzen Härte. Schon nach wenigen Minuten ist Solomon Northup ein Gefangener und muss Stockschläge und Peitschenhiebe über sich ergehen lassen. McQueen zeigt dies, blendet nicht weg. Bilder, die für den Zuschauer nur schwer zu ertragen sind und einen nicht mehr so schnell loslassen.

Der Regisseurs betreibt damit keinerlei Effekthascherei, sondern führt dem Zuschauer schonungslos die Brutalität und Unmenschlichkeit der damaligen Zeit gegenüber einer Minderheit vor Augen. Diese unsentimentale Herangehensweise ist ebenso lobenswert wie die Tatsache, dass McQueen nicht einem simplen Schlecht-Gut-Schema folgt – hier die bösen Weißen, da die guten Farbigen. Der Regisseur zeigt auch die Weißen als heterogene Gruppe: Einige sind offen und sehen die Farbigen als gleichwertige und zurecht in Freiheit lebende Menschen an, andere sind unsentimental und kalt auf das Geschäft mit den Sklaven und das Geld, das sie damit verdienen, fixiert. Andere haben zwar Sklaven und beuten sie aus, sehen sie aber auch als Menschen und haben stellenweise sogar Mitleid mit ihnen. Ganz andere hingegen behandeln die Farbigen wie Vieh, demütigen und schlagen sie und rechtfertigen das dann auch noch mit der Bibel.

„Mit Eigentum kann man machen, was man will“, sagt Plantagenbesitzer Epps irgendwann. Er wird so furchteinflößend von Michael Fassbender gespielt (er arbeitete bereits bei „Hunger“ und „Shame“ mit McQueen zusammen), dass dem Zuschauer allein beim Blick in Epps wütende Fratze die Haare zu Berge stehen. Und Chiwetel Ejiofor („Children of Men“, „American Gangster“, „2012“) liefert eine solch grandiose Vorstellung ab, dass schon sehr viel schief gehen muss, damit er nicht den Oscar als bester Hauptdarsteller bekommt. Von der ersten Minute an leidet der Zuschauer mit Solomon Northup, den es tatsächlich gab und dessen Buch über seine Erlebnisse als Grundlage für „12 Years A Slave“ diente. Ejiofor reichen nur Blicke, um Solomon binnen Sekunden zwischen Verzweiflung, Mut und Trauer schwanken zu lassen.

Aber nicht nur die Beiden tragen den Film mit ihren außergewöhnlichen Leistungen. Der Film kann mit einem bis in kleinste Nebenrollen hochkarätig besetzten Ensemble überzeugen: Lupita Nyong’o ist für ihre Rolle als Patsey - eine Sklavin, die sich nicht gegen Edwin Epps sexuelle Annährungen zu wehren vermag - als beste Nebendarstellerin für einen Oscar nominiert, Sherlock-Serienstar und Hollywoods aktueller Senkrechtstarter Benedict Cumberbatch spielt einen Plantagenbesitzer und Brad Pitt, der auch als Produzent bei „12 Years A Slave“ fungierte, ist in einer ebenso kleinen Nebenrolle zu sehen wie Paul Giamatti.

Kurz: Regisseur Steve McQueen ist mit „12 Years A Slave“ ein Meisterwerk gelungen, das den Zuschauer weit länger als nur während der 134 Minuten Spieldauer fesselt und beschäftigt. Es ist ein Film über die Gräuel von Rassismus und Sklaverei, aber auch ein Film über einen beeindruckenden Mann, der die Hölle auf Erden erlebte und dennoch nie aufgab und darum kämpft, seine Frau und seine Kinder wiederzusehen. Oder wie es Solomon Northup sagt, als ihm ein anderer Sklave Hinweise gibt, wie er sich zu verhalten hat, um nicht negativ aufzufallen: „Ich möchte nicht überleben, ich möchte leben.“

Von Stephan Voigt


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