Das Leben ist schön. Sterben ist scheiße. Zwei simple Sätze, zwei simple Wahrheiten und dennoch lohnt es sich, einen Film zu sehen, der genau diese beiden zentralen Botschaften hat. "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" ist eine im wahrsten Sinne tottraurige Teenager-Romanze, die aber auch bei Erwachsenen lange nachwirkt.

Die 16-jährige Hazel (Shailene Woodley) ist jung, schön, klug und könnte das Leben in vollen Zügen genießen, wäre da nicht der Schilddrüsenkrebs. Und so muss sie ständig eine Sauerstoffflasche mit sich herumtragen und bezeichnet sich selbst als tickende Zeitbombe, die irgendwann alles in ihrem Umfeld ins Unglück stürzt. Daher möchte sie die Zahl der Opfer klein halten und geht keine Freundschaften ein. Das ändert sich, als sie bei einer Selbsthilfegruppe Gus (Ansel Elgort) kennenlernt, der durch Knochenkrebs ein Bein verloren hat. Der Junge verliebt sich Hals über Kopf in Hazel, sie versucht sich aber gegen ihre Gefühle zu wehren und lediglich eine Freundschaft aufzubauen.

Diese Mischung aus Teenager-Romanze und Krebsdrama ist heikel, besteht doch die Gefahr im Kitsch zu versinken oder die Krankheit zu banalisieren. Regisseur Josh Boone ("Love Stories - Erste Lieben, zweite Chancen") gelingt die Balance aber meistens sehr gut. Wenn ein weiterer jugendlicher Patient im Laufe des Filmes aber sein zweites Auge und damit die Fähigkeit zu sehen komplett verliert und das nur beiläufig thematisiert wird, dann muss sich Boone gefallen lassen, wenn dies kritisch beäugt wird. Ähnlich sieht es beim ersten Kuss von Hazel und Gus aus. Der findet nämlich ausgerechnet unter Applaus weiterer Besucher im Anne-Frank-Haus in Amsterdam statt, untermalt von Zitaten aus Anne Franks Tagebuch, die sich mit Leben und Hoffnung befassen.

Hier wird eine schreckliche Krankheit verharmlost, dort schlimmster Teenie-Kitsch aufgefahren. Und dennoch verzeiht man dem Film all dies gerne. Denn "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" - die Verfilmung des gleichnamigen, sehr erfolgreichen Jugendromans von John Green - geht ansonsten sehr einfühlsam und nahegehend mit dem Schicksal der Jugendlichen um: Hazels Angst vor dem eigenen Tod, ihre Sorge, wie die Eltern mit dem Verlust der eigenen Tochter umgehen und dazu die Tiefschläge, die die Teenagerin immer wieder wegstecken muss. War ein Tag schön, kann die Krankheit in der Nacht auf dem Vormarsch und Hazel dem Tod nahe sein. Diese Aufs und Abs, dieses Wechselspiel von Lebensglück und Todesangst bringt Regisseur Boone so grandios auf die Leinwand, das kaum ein Auge im Kinosaal trocken bleibt.

Großen Anteil daran haben die durchweg fantastischen Darsteller - allen voran Shailene Woodley. Die 22-Jährige wird bereits als neue Jennifer Lawrence gehandelt und zeigte in "The Descendants" an der Seite von George Clooney ihr Können und kann mit der Verfilmung des Fantasy-Bestsellers "Divergent - Die Bestimmung" auch schon einen echten Blockbuster in ihrer Vita vorweisen. Sie spielt Hazel so natürlich, vermag ihre Gedanken und Sorgen mit wenigen Blicken und Gesten auszudrücken und spielt sowohl die tottraurigen als auch die leise humorvollen Szenen mit Leichtigkeit. Ansel Elgort, der in "Divergent" als Woodleys Bruder zu sehen war, spielt besonders am Ende, wenn aus dem coolen ein zerbrechlicher Gus wird, ähnlich gut wie seine Kollegin. Stars wie Laura Dern ("Blue Velvet", "Jurassic Park", "The Master") als Hazels Mutter und Willem Dafoe ("Der blutige Pfad Gottes", "Spider-Man", "Grand Budapest Hotel") als alkoholabhängiger Autor von Hazels Lieblingsroman runden das Ensemble perfekt ab.

Wer sich "Das Schicksal ist ein mieser Verräter" ansieht - und dazu ist dringend zu raten - sollte Taschentücher dabei haben, möglichst viele. Auch Erwachsene sollten nicht vor einem Kinobesuch zurückschrecken, weil dies die Verfilmung eines Jugendromans ist. Das Schicksal von Hazel und Gus wird jedem nahegehen - ob 12 oder 80 Jahre alt. Und am Ende werden alle Zuschauer noch lange über die beiden Teenager nachdenken und über die Lehre, die sie aus ihrer Krankheit und dem absehbaren Tod gezogen haben: Das Leben ist trotzdem schön und muss genossen werden. Und: Sterben ist scheiße!

Von Stephan Voigt

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