Die romantische Komödie Silver Linings mit Schauspiel-Hoffnung Jennifer Lawrence in der Hauptrolle und David O. Russel, der vor einigen Jahren mit „The Fighter“ für Aufsehen sorgte, als Regisseur, versprach viel. Konnte der Spagat zwischen Kunst und Kommerz wirklich gelingen?

Tatsächlich hebt sich „Silver Linings“ angenehm vom ewig gleichen Einerlei der romantischen Komödien ab. Pat wurde gerade aus der Psychiatrie entlassen und möchte nun seine Frau Nikki, die er vor Monaten mit einem Kollegen unter der Dusche erwischt hatte, zurückgewinnen. Seine bipolare Persönlichkeitsstörung stellt ihm dabei allerdings immer wieder ein Bein. Auf der Suche nach Mitteln und Wegen, Kontakt mit seiner Frau aufzunehmen – es gibt eine richterliche Verfügung, dass er sich ihr nicht nähern darf – lernt er die junge Tiffany kennen, deren Mann kürzlich ums Leben gekommen ist und die daher in einer tiefen Krise steckt.

Überhaupt stecken alle Figuren in irgendwelchen Krisen, werden nicht mit den ihnen von der Gesellschft diktierten Rollen fertig, und suchen den Silberstreif am Horizont, der dem Film den Namen gibt: Pats Mutter Dolores (Jacki Weaver) ist besorgt um die heile Familienwelt und ist daher eine ständige Brückenbauerin zwischen Sohn und Vater. Der, gespielt von Robert De Niro, hat seine Rentenansprüche verloren, versucht sich nun in Sportwetten, um das gewonnene Geld in die Eröffnung eines Cafés zu stecken. Und Pats Freund Ronnie (John Ortiz) ist zwar verheiratet und verdient gutes Geld, steht aber unter ständigem Druck, dieses zu vermehren und den eigenen Lebensstandart zu verbessern.

Pats Vater hat also finanzielle Not, Ronnie geht es gut. Wenn Ronnie dann zynisch erzählt, dass gerade diese Zeiten die besten sind, um Geld zu verdienen („Du kannst jetzt Firmengebäude unter Wert kaufen und dann mit Gewinn abgeben“), dann hat „Silver Linings“ das Potenzial, zur Abrechnung mit der Finanz- und Wirtschaftskrise zu werden. Leider verspielt Regisseur David O. Russel diese Chance und beugt sich dann doch wieder den Genreregeln, die besonders zum Ende des Filmes den Takt aus aufkeimender Liebe zwischen den sympatisch-verrückten Tiffany und Pat, Enttäuschung und Happy End vorgeben.

Dennoch ist Silver Linings sehenswert, was vor allem an den Hauptdarstellern Jennifer Lawrance und Bradley Cooper liegt. Beide gelten, obwohl mit 22 beziehungsweise 38 Jahren durchaus unterschiedlich alt, als die Entdeckungen der letzten Jahre. Lawrence wurde bereits für den Oscar nominiert (für „Winter’s Bone“) und konnte jüngst auch in Blockbustern wie „X-Men: First Class“ und „Tribute von Panem“ überzeugen. Sie wagt in Silver Linings als Tiffany mit ihrem ordinären Vokabular, einmal nicht das junge, starke, aber irgendwie bemitleidenswerte Mädchen zu spielen. Auch Bradley Cooper, der mit den Hangover-Filmen schlagartig bekannt wurde und seitdem eine beachtliche Hollywood-Karriere hinlegte, zeigt ganz neue Facetten, ist einmal nicht der gutaussehende Mann, sondern eher das Gegenteil, wenn er mit Müllsack bekleidet joggen geht.

Die hohen Erwartungen kann Silver Linings also nur teilweise erfüllen. Der Film findet hier und da Wege abseits der von so vielen vorangegangenen romantischen Komödien ausgetretenen Pfade, kann sich den Genreregeln aber dennoch zu selten widersetzen.

Von Stephan Voigt

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