Monsieur Claude hat ein schweres Los gezogen: Drei seiner vier Töchter haben keinen Franzosen geheiratet, wie er sie sich vorstellt. Sie haben sich für einen Chinesen, einen Juden und einen Muslim entschieden. Und Tochter vier? Die möchte zum Verdruss der Eltern einen Farbigen heiraten. Und genau darum entspinnt sich eine turbulente Komödie, ein Kassenhit in Frankreich.

Rassismus, das belegen Studien, gibt es überall. Gerade im Alltag scheinen rassistische Bemerkungen sowie das Bedienen von Klischees und Ressentiments gegenüber Ausländern mitunter auf wenig Gegenwehr zu stoßen - auch in Frankreich, wo Nicolas Sarkozy, 2005 noch Innenminister, pauschal davon sprach, die Pariser Vororte "vom Gesindel" befreien zu wollen und damit Massenproteste in den Banlieues auslöste.

Auch bei Familie Verneuil in "Monsieur Claude und seine Töchter" gehören diese Ressentiments gegenüber Ausländern zum Alltag. Familienoberhaupt Claude (großartig: Christian Clavier) und seine Frau Marie (ebenso großartig: Chantal Lauby) sind mit ihren Schwiegersöhnen nicht zufrieden und zeigen das sehr offen. Und die Töchter? Die sitzen zwischen allen Stühlen und versuchen die eigentlich schon offenen Konflikte nicht eskalieren zu lassen. Als dann auch die jüngste Tochter Laure (Elodie Fontan) nicht einen weißen, katholischen Franzosen, sondern eben einen Farbigen mit nach Hause bringt, ist für Claude und Marie das Fass zum Überlaufen gebracht. Sie versuchen die geplante Hochzeit zu sabortieren.

Die Vorbehalte, die Claude und Marie haben, sind bekannt und so versucht der farbige Charles (Noom Diawara) einen Scherz, als er erstmals seinen künftigen Schwiegereltern vorgestellt wird und diese offensichtlich geschockt sind, beim Anblick seiner Hautfarbe. "Ein Glück, dass Sie nur vier Töchter haben. Die fünfte hätte wohl möglich einen Roma geheiratet", scherzt er. In jedem anderem Film wäre dem Kinopublikum das Lachen im Halse stecken geblieben - nicht so bei "Monsieur Claude und seine Töchter".

Und genau das ist die Stärke des Filmes. Er spielt - bis auf wenige Ausnahmen, in denen die Pointen, die im Minutentakt zünden, eher albern daher kommen - von der ersten bis zur letzten Minute derart gekonnt mit den gängigen Klischees über Chinesen, Muslime und Juden, dass dadurch diejenigen, die sich derartiger Ressentiments bedienen, als diejenigen mit der falschen Sichtweise entlarvt werden. Regisseur Philippe de Chauveron gelingt es nämlich, dass hier nicht über die Klischees gelacht wird, sondern über diejenigen, die sie verbreiten. Und: Der Film zeigt auch, dass nicht nur die Europäer derartige Klischees von Minderheiten haben. Auch diese sind nicht frei davon und so gibt es immer wieder Streitereien zwischen den Schwiegersöhnen, die sich als Gaddafi, Arafat und Jacky Chan bezeichnen.

Dass am Ende alles gut und aus Monsieur Claude ein Schwiegervater wird, der alle Männer seiner Töchter gern und offenen Herzens in die Familie aufnimmt ist - leider - wohl unrealistisch. Dieses fast märchenhafte Element sei einer glänzenden Komödie - und nichts anderes ist "Monsieur Claude und seine Töchter" - aber gern verziehen. Dafür sind zu viele Szenen zu gut, besonders, als die drei Schwiegersöhne Monsieur Claude versichern, sie alle würden, trotz ihrer unterschiedlichen Herkunft, die französische Fußball-Elf anfeuern und dann zum Beweis aufstehen, um die Marseillaise zu singen. Fußball, wo in Fankurven gern einmal unflätig über den Gegner hergezogen wird, ist eben doch ein Stück Völkerverständigung.

Von Stephan Voigt

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