Dass ausgerechnet ein tuntiger Korsar mit zuviel Mascara im Gesicht das Piratenfilm-Genre retten und Schauspieler Johnny Depp zu einem Megastar machen würde, war kaum zu erwarten. 2003 geschah dies aber mit dem ersten „Fluch der Karibik“-Film. Jetzt läuft schon Teil vier in den Kinos und ein Ende ist nicht absehbar. Zum Glück?!

Einiges ist neu, im vierten Teil der Reihe. Regie führt erstmals nicht Gore Verbinski sondern Rob Marshall („Die Geisha“, „Chicago“). Außerdem sind Orlando Bloom und Keira Knightley nicht mehr zu sehen. Ersteres ist eine sehr gute Entscheidung gewesen, waren die letzten beiden „Fluch der Karibik“-Teile doch wenig originell und von Ideenlosigkeit geprägt. Und das Fehlen von Bloom und Knightley wirkt sich zumindest nicht negativ auf „Fremde Gezeiten“, so der deutsche Titel des vierten Teils, aus. Im Gegenteil: Mit Penelope Cruz wurde ein hervorragender Ersatz eingeführt, der neue Handlungsstränge ermöglicht.

Eine Konstante aber bleibt: Johnny Depp als Jack Sparrow. Der eigentümliche Pirat macht sich dieses Mal auf den Weg zur Quelle der ewigen Jugend und hat es dabei mit zahlreichen Widersachern zu tun – einer spanischen Flotte, einem britischen Schiff unter Führung von Captain Barbarossa (Geoffrey Rush) und Blackbeard (Ian McShane) samt heißblütig-unberechenbarer Tochter Angelica (Penelope Cruz), mit der Jack Sparrow einmal ein Verhältnis hatte.

Auf dem Weg zur Quelle der ewigen Jugend bietet Regisseur Marshall alles auf, was das Piratenfilm- und Fantasy-Genre hergeben: Meutereien, Säbelkämpfe, Verfolgungsjagden, alte Piratenschiffe und das Highlight dieses Films – viele betörende, sirenen-gleiche Meerjungfrauen, die ebenso tödlich wie schön sind.

Tricktechnisch ist „Fluch der Karibik 4“ inklusive grandioser 3D-Umsetzung atemberaubend, Johnny Depp als Jack Sparrow zuzusehen macht einfach Freude und dank der Episode bei den Meerjungfrauen hat der Film endlich auch wieder die gewisse düster-geheimnisvolle Atmosphäre, die den ersten Film auszeichnete und die in den Nachfolgern verloren ging.

So ist „Fremde Gezeiten“ anspruchsloses aber sehenswertes und kurzweiliges Popcorn-Kino, das nicht an die Klasse des ersten Teils heranreicht, aber eine deutliche Steigerung zu den Filmen zwei und drei darstellt. Und die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt – weitere Filme können folgen. Nach diesem guten vierten Film, kann man sich getrost auf den nächsten freuen.

Von Stephan Voigt

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