1997 erschien der erste Harry-Potter-Roman, jetzt endet alles: Der letzte Film "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2" läuft in den Kinos. Eine Generation jugendlicher Leser ist mit dem Zauberlehrling Erwachsen geworden, genau wie Harry und seine Freunde Hermine und Ron erwachsen wurden und so, wie die Filme sich vom fantasievollen Jugend- zum düsteren Erwachsenenfilm entwickelten.

Dieser letzte Potter-Film ist ab 12 Jahren freigegeben. Und das ist ein Skandal. Regisseur David Yates, der bereits seinen vierten Film um den Zauberlehrling inszenierte, schuf einen düsteren, bedrückenden und bedrohlichen Endzeitfilm, der absolut nichts mehr für 12-Jährige ist. Neben der bedrohlichen Atmosphäre, die die gesamten 130 Minuten Spieldauer durchzieht, sind Szenen mit dem blutüberströmten und nackten Voldemord und dem sich nach dem letzten Kampf vor den Augen der Zuschauer langsam auflösenden dunklen Lord für Kinder ungeeignet. Die Altersfreigabe ist allerdings auch der einzige Aufreger des Filmes.

Ansonsten hat "Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2" lediglich sehr viel Solides und wenig Herausragendes zu bieten. Einzig die sehr gute 3D-Technik, Ralph Fiennes, der trotz dicker Maske im Gesicht das Böse von Voldemort glänzend darstellt, und die atmosphärisch-düsteren Bilder sind positiv zu erwähnen, ansonsten ist dieser letzte Harry-Potter-Film Massenware. Handlung hat er kaum zu bieten: Harry (Daniel Radcliffe), Hermine (Emma Watson) und Ron (Rupert Grint) suchen weiterhin Horkruxe, in denen sich Teile von Voldemorts Seele befinden, um diese zu zerstören und den dunklen Lord danach endlich töten zu können. Alles läuft auf diesen einen letzten Kampf hinaus. Regisseur Yates schafft es, dem Film bis zu seinem Höhepunkt keine Längen zu verleihen und die Spannung mit der drohenden Machtübernahme von Voldemort und seinen Mitstreitern, die deutlich an den Nationalsozialismus erinnert, Minute für Minute zu steigern. Das Ende ist dann aber eine Enttäuschung.

So lange mussten die Kinozuschauer auf den Kampf zwischen Harry Potter und Lord Voldemort warten und dann ist dieser so schnell - und wenig spannend - zu Ende erzählt.  Zum Schluss fragt man sich, weshalb Harry nicht gestorben ist, wie es vorhergesagt wurde. Eine Antwort in filmischer Form gibt es nicht, dafür muss man die Romane lesen - oder den Sitznachbarn im Kinosaal fragen, der die Bücher vielleicht gelesen hat...

"Harry Potter und die Heiligtümer des Todes - Teil 2" ist kein schlechter Film - im Gegenteil. Er ist gut und sehenswert, erfüllt aber vielleicht die Erwartungen derjenigen nicht ganz, die als Abschluss dieser erfolgreichen Filmreihe einen würdigen Höhepunkt erwarteten. Und alle Eltern, die glauben, ihre Kinder werden nach diesem Potter-Schlussakt endlich wieder ruhig schlafen können, täuschen sich ebenfalls. Es folgen Nächte voller Albträume...

Von Stephan Voigt

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