Lange haben die Fans den mittlerweile siebten Film des „Star Wars“-Franchises herbeigesehnt. Nun ist er in den Kinos und macht vieles besser als die Prequel-Trilogie, aber eben auch einiges schlechter.

„Das Erwachen der Macht“, wie „Star Wars: The Force Awakens“ im Deutschen heißt, setzt zeitlich nach der ursprünglichen Trilogie mit den Episoden vier bis sechs ein und erlaubt somit die Wiederkehr von Stars wie Harrison Ford als Han Solo, Carrie Fisher als Leia und Mark Hamill als Luke Skywalker. Gleichzeitig versäumt es Regisseur J.J. Abrams, der pikanterweise auch für den erfolgreichen Reboot der Star-Trek-Reihe verantwortlich zeichnete, nicht, Star Wars einer Verjüngungskur zu unterziehen – gleich in mehrfacher Hinsicht.

So sind mit Oscar Isaac (35 Jahre), Adam Driver (32 Jahre), sowie John Boyega und Daisy Ridley (jeweils 23 Jahre) vier junge Darsteller in tragenden Rollen dabei, die in den Episoden acht und neun zumindest zum Teil erneut auftauchen werden.
Inhaltlich dreht sich „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ um eine neue Generation von Jedi, die von der Macht noch nichts wissen und die im Laufe des Filmes langsam davon erfahren. So darf Finn (Boyega), der als Sturmtruppler desertiert, irgendwann erstmals das Laserschwert von Luke Skywalker benutzen und die Schrottsammlerin Rey (Ridley) bemerkt, dass sie mittels der Macht andere Menschen kontrollieren kann.

All das geschieht im Kampf gegen die dunkle Seite der Macht, die nach dem Tod Darth Vaders und dem Sturz des Imperiums wieder erstarkt. Die Anhänger des alten Imperiums nennen sich nun Erste Ordnung (engl.: First Order) und ein in Schwarz gehüllter Anführer namens Kylo Ren sorgt in der Galaxie für Angst und Schrecken – vor allem, weil er eine fürchterliche Waffe sein Eigen nennt.

Das klingt ganz nach Star Wars und wird die Fan-Herzen höher schlagen lassen. Tatsächlich ist es Regisseur J.J. Abrams nicht hoch genug anzurechnen, dass sich dieser neue Star-Wars-Film vom Look her stark an der ursprünglichen Trilogie orientiert und damit ein Stück weit auch deren Zauber bewahrt beziehungsweise aufleben lässt.

Genau dort liegt aber auch das Problem. Denn oftmals hat es Abrams nicht geschafft, sich von den alten Filmen freizumachen. Und so jagt „Das Erwachen der Macht“ mit einem Schurken, der an Darth Vader erinnert, einer Superwaffe, die dem Todesstern allzu ähnlich ist, einem erneuten Vater-Sohn-Konflikt und vielen weiteren kleinen und größeren Szenen von Zitat zu Zitat der ursprünglichen Filme und wirkt daher am Ende nicht nur wie eine Hommage, sondern manchmal wie eine zu vorhersehbare Kopie mit modernerer Tricktechnik.

Das ist schade, nimmt auch einen Teil des Vergnügens, macht „Das Erwachen der Macht“ aber sicher nicht zu einem schlechten Film. Nein, es macht Spaß, wieder in die Star-Wars-Welt mit ihren herrlich-schrägen Charakteren einzutauchen, Han Solo, Leia und Luke Skywalker wiederzusehen und zu erleben, wie die Laserschwerter gekreuzt werden.

Auch das Zusammenspiel zwischen den ursprünglichen und den neuen Stars macht Freude. Besonders Daisy Ridley, die endlich einmal eine emanzipierte und starke Frau in einem Action- beziehungsweise Science-Fiction-Film spielen darf, ist eine Entdeckung. Aber auch John Boyega darf sich Hoffnungen machen, nicht das Schicksal von Mark Hamill zu erleiden, der nach dem Riesenerfolg mit Star Wars nie wieder große Rollen erhielt und weitgehend in der Versenkung verschwand – bis zum „Erwachen der Macht“.

Bis die Trilogie fortgesetzt wird, vergehen nun übrigens zwei Jahre. Die Wartezeit wird aber durch einen Spin-Off-Film verkürzt, der im Winter 2016 erscheint.

Von Stephan Voigt

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