Wenn eine Filmreihe viel Geld einspielt, dann wird in Hollywood gern auch noch die Vorgeschichte in mehreren Teilen verfilmt, um noch mehr Geld zu machen. Selten war dieses Verfahren aber so angebracht wie beim Kleinen Hobbit, der bekanntlich die Vorgeschichte zu den Herr-der-Ringe-Romanen J.R.R. Tolkiens darstellt. Hätte das 350-Seiten-Werk aber auch in drei Teilen in die Kinos gebracht werden müssen?

Wohl kaum! Wer den Hobbit-Roman kennt, der wird sich schon gefragt haben, wieso er in zwei Teilen verfilmt werden soll, wie es der eigentliche Plan von Regisseur Peter Jackson war. Die Handlung ist doch recht dünn und bei den Herr-der-Ringe-Romanen hat es auch gereicht, sie jeweils in einen Film zu bannen.

Nun also drei Hobbit-Filme, von denen der erste, "Eine unerwartete Reise", fast drei Stunden dauert. Regisseur Jackson, der auch für die Herr-der-Ringe-Filme verantwortlich war, merkt man an, dass er sich in Mittelerde zu Hause fühlt, dass er Fan der Romane ist und dass er die vielen Charaktere kennt und liebgewonnen hat. So hat der Anfang, als die Zwerge nach und nach beim kleinen Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) auftauchen und seine Höhle auf den Kopf stellen, Charme und Witz, ist aber gleichzeitig dennoch zu lang geraten.

Vom beschaulichen Auenland machen sich die 13 Zwerge zusammen mit Bilbo und dem Zauberer Gandalf (Ian McKellen) auf zum Einsamen Berg. In diesem Berg hatten die Zwerge vor vielen Jahren ihr Reich, schützten ihren Schatz und waren ein angesehenes Volk. Doch dann kam der Drache Smaug, vertrieb die Zwerge und ließ sich im Einsamen Berg nieder. Auf der Reise dorthin erleben die Abenteurer viel, werden von Wargen - großen und bösen Wölfen - und Orks verfolgt, kommen in das schöne Reich der eleganten Elben und treffen drei hungrige Trolle.

Da all das von nahezu der gleichen Crew hinter der Kamera verfilmt wurde, wie die beeindruckenden Herr-der-Ringe-Filme, ist der erste Hobbit-Teil ebenso beeindruckend und passt visuel perfekt zu der Vorgänger-Trilogie. Wenn Peter Jackson in Rückblicken den Kampf der Zwerge gegen die Orks zeigt, dann ist das atmosphärisch gelungen, mitreißend erzählt und spannend. Das gilt für viele Action-Szenen und für die episch inszenierten Schlachten. All das könnte aber dennoch gestrafft werden, ohne dass der Film dem Roman nicht mehr gerecht werden würde. Dann wäre vielleicht auch mehr Zeit gewesen, eine der stärkstenTeile des Romans - wenn Bilbo den Einen Ring findet und Gollum (Andy Serkis) in der Ork-Höhle begegnet - genauer zu zeigen. Denn ausgerechnet diese Stelle kommt im Film leider zu kurz.

Die Längen sind aber ein kleiner, verzeilicher Fehler eines ansonsten großartigen Werkes, das für Kenner der Tolkien-Romane ebenso sehenswert ist, wie für diejenigen, die lediglich die "Herr der Ringe"-Filme kennen und natürlich auch für diejenigen, die sich bisher noch nie mit der Fantasy-Welt von Mittelerde befasst haben - "Der kleine Hobbit" ist schließlich der Beginn der vielen Romane und Erzählungen.

Das Beste an der aktuellen Verfilmung sind aber die Szenen, in denen sich Peter Jackson ganz bewusst von der Romanvorlage löst und bereits beginnt, die Brücke zwischen dem Ende des Hobbit-Romans und dem Beginn der Herr-der-Ringe-Trilogie zu schlagen. Dafür tauchen Charaktere wie der Zauberer Saruman (Christopher Lee) und die Elbin Galadriel (Cate Blanchett) auf, die im Kleinen Hobbit eigentlich nicht vorkommen. Daran, wie perfekt und nahtlos sich diese Szenen in die eigentlich in der Buchvorlage beschriebenen Eregnisse einfügen, wird auch deutlich, wie genau Peter Jackson die Welt von Mittelerde kennt, wie sehr er sich in sie hineinversetzen kann.

Und so endet "Eine unerwartete Reise" ungefähr bei der Hälfte der Roman-Handlung. Es folgt nun aber nicht mehr nur ein weiterer Hobbit-Film sondern es werden noch zwei in die Kinos kommen. Dass auch diese einige Längen haben werden, das scheint klar zu sein. Aber trotzdem kann man sich auf die weiteren Teile, die jeweils im Dezember 2013 und 2014 erscheinen werden, freuen - dieser Peter Jackson weiß, was er macht und er wird die Fans begeistern.

Von Stephan Voigt

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