Wenn am Filmende Applaus aufbrandet und es vorher auch Szenenapplaus gibt, dann muss ein ganz besonderer Film im Kino gelaufen sein. Die Rede ist vom zweiten "Tribute von Panem"-Teil "Catching Fire", der mehr auf Politik als auf Action setzt und trotzdem beim jungen Publikum ankommt.

Nachdem Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) die Hunger Games im ersten Teil überlebt und damit gewonnen hatten, sind sie Stars. Katniss leidet nach den tödlichen Spielen, die im gesamten Staat Panem im Fernsehen übertragen wurden, an posttraumatischem Stress. Das ist schlimm. Schlimmer allerdings ist, dass Katniss den totalitären Staat und damit den Präsidenten Snow (Donald Sutherland) live vor einem Millionenpublikum vorgeführt hat. Das Volk merkt: Das Regime des Präsidenten ist nicht unverwundbar, Widerstand regt sich, Rebellion droht...

Wie derartige Staaten in solchen Fällen reagieren, ist jedem bekannt, der die Nachrichten schaut. Parallelen zum fiktiven Staat Panem gab es in der Vergangenheit, gibt es derzeit und wird es auch in Zukunft immer geben. Und so ist es wenig überraschend, dass der Präsident von Panem mit Einschüchterung der Bevölkerung reagiert und Katniss, die für das Volk zu einem Symbol der Hoffnung geworden ist, nach dem Leben trachtet.

Francis Lawrence ("Wasser für die Elefanten", "I am Legend"), der bei der Verfilmung des Suzanne-Collins-Romans "Tribute von Panem - Gefährliche Liebe" auf dem Regiestuhl Platz nahm, nimmt sich viel Zeit dafür, das Terrorregime des Präsidenten darzustellen. Katniss und Peeta müssen als Sieger der Hunger Games durch die einzelnen Distrikte reisen, um sich zu präsentieren und für Snows Regime zu werben. Während dieser Tour und auch danach wird den beiden Siegern immer klarer, wie rücksichtslos und brutal der Staat mittlerweile gegen die eigene Bevölkerung vorgeht, um mit Angst und Schrecken zu verhindern, dass es zur Rebellion kommt. Erschießungen und Auspeitschungen sind an der Tagesordnung.

All das ist der Plan des neuen Spielemachers Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman), der dann auch Katniss und Peeta erneut in die Arena holt, wo sie dieses Mal in dem Spiel auf Leben und Tod gegen andere Gewinner aus den Vorjahren antreten müssen. Diese neue Version der Hungerspiele ist dann auch der actionreiche Höhepunkt von "Catching Fire". Dass das gesamte Prozedere - Fahrt im Zug zum Capitol, Sponsorensuche und Training - bereits aus dem ersten Teil der Panem-Reihe bekannt ist und nun mit leichten Abänderungen quasi wiederholt wird, ist die wohl einzige Schwäche des Filmes. An dieser Stelle hat er einige Längen, die aber verzeihlich sind.

Das liegt vor allem an Jennifer Lawrence, der zuzusehen Freude macht. Die Oscar-Preisträgerin ("Silver Linings") ist Dreh und Angelpunkt des 146-Minuten-Werkes und hat erneut ein großartiges Ensemble um sich versammelt. So erhielt Philip Seymour Hoffman für seine Darstellung des Truman Capote 2006 den Oscar, Donald Sutherland war in Klassikern wie "Wenn die Gondeln Trauer tragen" zu sehen und die Rolle des extrovertierten Fernsehmoderators Caesar Flickerman scheint Stanley Tucci auf den Leib geschrieben zu sein.

Kurz: "Tribute von Panem - Catching Fire" ist eine fesselnde, spannende und intelligente Jugendbuchverfilmung, die auch für Erwachsene dank politischer und medienkritischer Anspielungen empfehlenswert ist. Vorkenntnisse sind aber dringend anzuraten, da sich der Film stark auf den ersten Teil bezieht. Außerdem ist Geduld gefragt, denn das extrem offene Ende macht Lust auf die Verfilmung des dritten und letzten Panem-Romans. "Mockingjay" erscheint - aufgeteilt in zwei Filme, um den Fans das Geld noch mehr aus der Tasche zu ziehen - 2014 und 2015 jeweils im Herbst. Nach "Catching Fire" kann man sich darauf schon jetzt freuen.

Von Stephan Voigt


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