Nachdem sich die Zuschauer beim ersten Teil von Peter Jacksons Hobbit-Verfilmung mit erwartbaren Längen herumquälen mussten, ist der Mittelteil „Smaugs Einöde“ deutlich besser gelungen.

Jacksons Vorhaben, J.R.R. Tolkiens Hobbit-Roman, der nicht einmal 400 Seiten stark ist, in drei Filmen auf die Leinwand zu bringen, ist ambitioniert und wohl der Geldgier der Filmstudios geschuldet. Teil eins, der vor einem Jahr erschien, litt entsprechend unter erwartbaren Längen und auch der jetzt veröffentliche mittlere Part, „Smaugs Einöde“, ist mit 161 Minuten Spieldauer nicht kurz – aber besser, weil weniger zäh.

Das liegt vor allem daran, dass Regisseur Peter Jackson der eigentlichen Romanhandlung weitere Szenen zur Seite stellt, die in Tolkiens Werk zwar nicht auftauchen, dafür aber die Brücke zum „Herr der Ringe“ schlagen, den Jackson vor einigen Jahren geradezu genial auf die Leinwand brachte. Entsprechend werden diese Szenen für diejenigen, die die Romanvorlage kennen, die interessantesten sein.

Aber auch bei der originären Hobbit-Handlung nimmt sich Jackson viele Freiheiten. Er gibt Legolas (Orlando Bloom) aus „Herr der Ringe“ einen großen und sehenswerten Auftritt, obwohl der in Tolkiens Hobbit gar nicht auftaucht, erfindet die kämpferische Elbin Tauriel („Lost“-Darstellerin Evangeline Lilly) komplett neu und vergrößert die Rolle der furchteinflößenden Orks um den fiesen Azog (Manu Bennett) deutlich.

Der jagt die Zwergengruppe um Thorin Eichenschild (Richard Armitage), den Zauberer Gandalf (Ian McKellan) und den Hobbit Bilbo Beutlin (Martin Freeman) weiter. Die Gemeinschaft um Thorin ist auf dem Weg nach Erebor, wo die Zwerge früher in Reichtum gewohnt haben, bis der Drache Smaug von dem Berg und der Höhlenwelt Besitz ergriff und seitdem den unermesslichen Goldschatz der Zwerge für sich beansprucht.

Das Thema der Gier, das gerade in Zeiten der Finanzkrise ein bedeutsames ist, hätte Regisseur Peter Jackson vielleicht deutlicher herausarbeiten können. Dafür gelingen ihm höchst spannende, furchteinflößende und beklemmende Szenen im Düsterwald, wo die Gemeinschaft von riesigen Spinnen angegriffen wird. Auch das Ende ist durch seinen subtilen Horror äußerst fesselnd und beeindruckend. Denn als der kleine Hobbit Bilbo durch das riesige Gold-Meer unter dem Berg schleicht, ist vom Drachen Smaug nichts zu sehen – dass er aber da ist, ist jedem Zuschauer im Kino bewusst, auch denjenigen, die den Roman nicht gelesen haben...

Und diejenigen, die mit Tolkiens Werk vertraut sind, werden sich fragen, was im dritten Hobbit-Film, der im kommenden Jahr erscheint, noch gezeigt werden soll. Schließlich endet „Smaugs Einöde“ recht spät, sodass für „Hin und zurück“ – so der Titel von Teil drei – wenig Romanhandlung übrig bleibt. Das ist Gefahr und Chance zugleich für Peter Jackson. Sollte die Hobbit-Trilogie mit einem riesigen und viel zu langen Kampf gegen den Drachen Smaug als bloßes Action- und Effekte-Feuerwerk enden, hätte sich der Regisseur mit dem Ausbreiten der doch recht dünnen Romanhandlung auf drei lange Filme einen Bärendienst erwiesen. Sollte „Hin und zurück“ aber einen echten Brückenschlag zur Herr-der-Ringe-Trilogie darstellen, dann wäre das ein echtes Highlight und wohl der krönende Abschluss von Jacksons jahrelanger Arbeit rund um die Abenteuer in Mittelerde und den Einen Ring.

Von Stephan Voigt


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