Nachdem man vor drei Jahren bei "Planet der Affen: Prevolution" recht gefälliges Popcornkino erwartet hat und stattdessen einen absolut sehenswerten Actionfilm bekommen hatte, liegen die Erwartungen für die Fortsetzung sehr hoch. Kann "Planet der Affen: Revolution" diese erfüllen?

Ende der 1960er Jahre wurde der erste "Planet der Affen"-Film gedreht, 2011 wurde die Reihe neu gestartet und war als Statement gegen Tierversuche zu sehen. Die Fortsetzung spielt zehn Jahre darauf und widmet sich einem anderen, nicht minder aktuellen Thema.

Durch das im ersten Teil freigesetzte Virus sind nahezu alle Menschen gestorben, die Zivilisation auf der Welt ist zusammengebrochen und die Natur erobert unseren Planeten zurück. In den Städten wachsen Bäume, wo einst Autobahnen verliefen und U-Bahnen fuhren, in den Wäldern leben die Affen, die im ersten Film nicht nur intelligenter, sondern auch aggressiver wurden. Der weise Affe Caesar (Andy Serkis) ist das Oberhaupt einer Affenkolonie, die sich vor den Toren San Franciscos niedergelassen hat. Obwohl auch Caesar im ersten Film in Gefangenschaft war, hat er nicht solch ein schlechtes Bild von den Menschen, wie viele seiner Artgenossen. Doch die Menschen scheinen ausgestorben. Zehn Jahre sind seit den Geschehnissen des ersten Filmes vergangen, seit zwei Jahren haben die Affen keinen Menschen mehr gesehen. Doch dann kommen welche in den Wald. Die kleine Gruppe erschießt einen der Affen und dann kann der Zuschauer im Kino das verfolgen, was er auch täglich in den Nachrichten zu sehen bekommt.

Denn Regisseur Matt Reeves ("Let Me In", "Cloverfield") zeigt, wie Zivilisationen reagieren, wenn sie Angst haben. Die Menschen müssen das Territorium der Affen aufsuchen, weil ihnen die Energie ausgeht und sich in dem Wald ein Wasserkraftwerk befindet; die Affen fürchten einen Angriff der Menschen. "Planet der Affen: Revolution" zeigt nun auf beiden Seiten, wie aus Spannungen Konflikte werden, wie aus Angst Kriegstreiberei wird und welche Argumente von den einzelnen Akteuren für Krieg beziehungsweise Frieden gefunden werden. Klare Fronten gibt es nicht - weder die Affen, noch die Menschen sind sich einig über den einzuschlagenden Kurs. Während Caesar den verzweifelt wirkenden Menschen die Hand reichen möchte, ist Koba (Toby Kebbell) dafür, die Menschen anzugreifen, bevor diese selbst zu den Waffen greifen. Bei den Menschen führt Malcolm (Jason Clarke) den kleinen Trupp im Wald an, der erkannt hat, dass ein Fortbestand der letzten kleinen menschlichen Zivilisation in San Francisco nur bestehen kann, wenn Frieden herrscht, während die übrigen Menschen hinter ihren hohen Mauern aus Angst vor der Übermacht der Affen schauen, welche militärischen Waffen nach all den Jahren noch funktionstüchtig sind...

Syrien, Israel, Gazah - wer "Planet der Affen: Revolution" schaut, der wird oft an derlei Konflikte erinnert, die nicht erst seit heute täglich Thema in den Nachrichten sind. Parallelen sind unverkennbar. Dennoch präsentiert der Film mit seinen 131 Minuten Spieldauer die Mechanismen derartiger Konflikte lediglich oberflächlich. Mehr ist aber kaum bei einem Film zu erwarten, der 120 Millionen Dollar als Produktionskosten verschlungen hat und damit ein breites Publikum ansprechen muss, um einen Gewinn in die Studiokassen zu spülen. Die Balance gelingt Regisseur Reeves allerdings ausgezeichnet. Dieser zweite Teil der Planet-der-Affen-Neuauflage, dem wohl 2016 ein dritter folgen wird, bietet nämlich auch nahezu durchweg Spannung und besonders am Ende großartige Action.

Und ganz nebenbei sind da noch die Affen. Bereits im ersten Teil war die Animation der Tiere so täuschend echt, dass man sehr schnell vergessen hat, dass dort Schauspieler agieren. Dies ist nun, drei Jahre später, nicht anders. Caesar, Koba und all die anderen Tiere wirken nicht eine Sekunde, als wären sie dem Computer entsprungen. Mittlerweile ist aber bekannt, dass der Computeranimation keine Grenzen mehr gesetzt sind, insofern funktionieren derartige Filme nicht mehr einfach nur, weil sie gute Special Effects haben. Im Jahr 2014 muss mehr her. Und das hat "Planet der Affen: Revolution" mit seiner spannenden, fesselnden Handlung, mit durchweg großartigen Darstellern - vor allem sei hier Gary Oldman (Oscar-Nominierung für "Dame, König, As, Spion") zu nennen - und dann eben auch den herausragenden Special Effects zu bieten.

Von Stephan Voigt

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