Die USA werden im Film - und nur dort - mit allem fertig: Naturkatastrophen, Alien-Invasionen, Meteoriten, Dinosauriern aus dem Jurassic Park und Riesenechsen wie Godzilla. Nicht aber mit einer in aller Abgeschiedenheit aufgewachsenen 17-Jährigen namens Hanna. Das zeigt der neue Klasse-Thriller von Joe Wright.

Dem Regisseur von "Abbitte" und "Stolz und Vorurteil" - soviel sei vorweg gesagt - gelingt der bislang beste und spannendste Thriller des Jahres. Ein Grund für den Erfolg ist die erst 17-jährige Hauptdarstellerin Saoirse Ronan, mit der er bereits in "Abbitte" zusammenarbeitete. Die Irin spielt das Mädchen, das von ihrem Vater (Eric Bana) irgendwo in der Wildnis zur Killermaschine ausgebildet wurde fantastisch und absolut überzeugend. Dafür braucht sie nicht viele Worte - Gesten, Blicke reichen der Mimin, die trotz ihres jugendlichen Alters bereits für einen Oscar nominiert war.

Der Zuschauer tappt hingegen zunächst im Dunkeln, genau wie die junge Hanna. Sie weiß ebenso wenig wie die Kinobesucher, weshalb sie von finsteren Gestalten des US-Geheimdienstes gejagd wird, nachdem sie sich dazu entscheidet, der Einöde den Rücken zu kehren. Ausgemacht hat sie mit ihrem Vater, dass sie sich in Berlin treffen. Hanna muss dafür zunächst in einer grandios inszenierten Verfolgungsjagd aus US-Gefangenschaft entkommen. Zusammen mit der Musik der Chemical Brothers ist das wie ein MTV-Musikvideo gefilmt und sieht so cool aus, wie die junge Killerin ist.

Ihre Gegenspielerin steht Hanna in Coolness allerdings in nichts nach.  Geheimdienst-Mitarbeiterin Marissa Wiegler ist unterkühlt, stets um Haltung bemüht. Sie wird glänzend von Cate Blanchett ("Herr der Ringe", "Babel", "Robin Hood") verkörpert. Blanchett und Ronan liefern sich so nicht nur ein tödliches Duell als Marissa Wiegler und Hanna, sondern auch ein schauspielerisches. Und das ist absolut sehenswert. Die Beiden laufen in diesem Thriller zu Höchstform auf und gönnen dem Zuschauer kaum Verschnaufpausen. Das wiederrum liegt im Charakter der Hanna begründet, bei der man niemals weiß, wann das naive Mädchen zur effizienten menschlichen Waffe wird.

Weshalb Hanna und ihr Vater von den Geheimdiensten gesucht werden, wird nach und nach klar und ist vielleicht etwas zu weit hergeholt. Das stört aber nicht wirklich, ist "Wer ist Hanna" doch überaus spannend und hat keinen Durchhänger während der 111 Minuten Spielzeit, weil die Zuschauer kaum zum Durchatmen kommen. Kurz: Der bisher beste Thriller des Jahres mit viel Spannung, Action und einem gut besetzten Cast.

Von Stephan Voigt

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