Vor 53 Jahren flimmerte der erste James-Bond-Film über die Kinoleinwand. Heute ist 007 immer noch ein Erfolgsgarant an den Kinokassen. Aber auch qualitativ erlebt die Reihe momentan ihren zweiten Frühling.

Und daran ist der neue Ton nicht unschuldig, der vorherrscht, seitdem Daniel Craig 2006 erstmals in die Rolle des Superagenten schlüpfte: realistischer, düsterer und mit mehr Charakter kommt Bond daher. Hinzu kommt, dass mit Sam Mendes, der bei „Skyfall“ (2012) und nun auch bei „Spectre“ Regie führte, ein absoluter Meister seines Faches alle Fäden in der Hand hält und den seit 2006 eingeschlagenen Bond-Weg konsequent weiterführt, ohne zu vergessen, der Reihe seinen eigenen Stempel aufzudrücken.

So verfolgen die Macher seit dem ersten 007 mit Daniel Craig als Titelheld neben dem Ziel, die Reihe realistischer und härter zu machen, auch einen weiteren Plan: James Bond soll moderner werden. Die Zeiten, in denen die Bond-Girls hübsch, aber naiv und nur beschützenswert waren, sind (fast) vorbei.

So verzichteten die Macher in „Casino Royale“ und „Ein Quantum Trost“ komplett auf typische Bondfilm-Charaktere wie die Sekretärin Moneypenny und den Erfinder Q, um beide schließlich erst in „Skyfall“ einzuführen. In „Casino Royale“ begegnete Bond-Girl Vesper Lynd dem Agenten deutlich mehr auf Augenhöhe als ihre Vorgängerinnen und im neuesten Film, „Spectre“, ist eine Moneypenny zu sehen, die Bond nicht mehr so anhimmelt, wie es in den früheren Filmen mit Sean Connery oder Roger Moore der Fall war. Im Gegenteil: Moneypenny (Naomie Harris) besucht James Bond nun sogar in seiner Wohnung und erklärt noch beim Hereinkommen, dass sie gleich wieder gehen wird. Und später zeigt sich: Moneypenny ist vergeben, eine Liebelei mit dem Agenten steht also überhaupt nicht zur Diskussion.

Inhaltlich knüpft „Spectre“ da an, wo „Skyfall“ endete. Bond hat von seiner im Vorgängerfilm getöteten Vorgesetzten M (kurz zu sehen: Judi Dench) eine Nachricht erhalten, er solle Marco Sciarra finden. Bond begibt sich also auf eigene Faust auf die Suche und gerät dabei an die Geheimorganisation Spectre, die von Franz Oberhauser (Christoph Waltz) angeführt wird und bei den früheren Missionen von 007 im Hintergrund immer die Finger im Spiel hatte. Spectres Ziel: Durch Terror die Staaten der Welt dazu verleiten, auf grenzenlose Überwachung der Menschen zu setzen und diese Daten schließlich abzugreifen und für die eigenen Machenschaften zu nutzen - die NSA-Enthüllungen lassen grüßen. Damit aber nicht genug: Franz Oberhauser scheint James Bond aus der Vergangenheit zu kennen…

Und genau damit wird der Agent, wie schon bei „Skyfall“, auf eine Mission geschickt, die eine persönliche und private Komponente hat, bei der also die Betroffenheit des Helden ungleich größer ist. Doch an dieser Stelle verschenkt Regisseur Sam Mendes („American Beauty“) viel Potenzial, ähnlich wie bei der Figur des Franz Oberhauser. Mit dem zweifachen Oscarpreisträger aus Österreich, Christoph Waltz, ist der Schurke nämlich so hochkarätig besetzt wie selten. Kaum jemand in Hollywood vermag es so gut wie Waltz, den psychopatischen, bösen, exzentrischen Antagonisten zu spielen. Doch sein Können kann er nur in einigen wenigen Momenten zeigen und er wird dabei längst nicht so hervorragend von Mendes in Szene gesetzt, wie Javier Bardem als Skyfall-Schurke.

Überhaupt ist der zweite Mendes-007 in fast allen Belangen absolut sehenswert, hochklassig und fesselnd, aber eben nicht mehr so sehr wie „Skyfall“ vor drei Jahren. So stimmt der düstere Ton immer noch, aber die poetischen Bilder, die in Skyfall fast omnipräsent waren, sind mittlerweile kaum noch zu sehen. Stattdessen bietet Mendes spannende Verfolgungsfahrten durch Rom, harte Faustkämpfe in Nachtzügen, interessante Drehorte und den typisch trockenen Humor der 007-Reihe.

Am Ende von „Spectre“ ist die Filmserie aber an einem Punkt angekommen, der spannender nicht sein könnte. James Bond fährt mit seiner Freundin – Bond-Girl Madeleine Swann (Léa Seydoux) – auf und davon, Schurke Oberhauser ist entstellt aber am Leben und könnte im 25. Abenteuer des Geheimagenten erneut auftauchen – und dann endlich so exzentrisch-böse sein, wie es nur Christoph Waltz darzustellen vermag.

Von Stephan Voigt

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren