Da sind sie wieder vereint: Regisseur Niels Arden Oplev arbeitet wieder mit seiner Hauptdarstellerin Noomi Rapace zusammen, die in der europäischen Version von Stieg Larssons Millenium-Trilogie Lisbeth Salander spielte. Beide, Regisseur und Actrice, machte „Verblendung“ berühmt und verschaffte ihnen Zutritt in Hollywood.

 

Nun erscheint also Oplevs erster Hollywood-Film „Dead Man Down“, in dem neben Noomi Rapace, die in der Zwischenzeit mit Regiemeister Ridley Scott das Alien-Prequel „Prometheus“ und an der Seite von Robert Downey Jr. in „Sherlock Holmes“ spielte, auch Colin Farrell zu sehen ist.

Atmosphärisch ist „Dead Man Down“ ähnlich beklemmend, bedrückend und düster geraten wie „Verblendung“. Auch inhaltlich gibt es durchaus Parallelen. Hauptmotiv hier wie da ist die Rache und Rapace darf wieder einen gebrochenen Charakter spielen, der dem der Lisbeth Salander in einigen Zügen durchaus ähnelt.

Nun spielt Rapace aber keinen Punk, der durch eine schreckliche Kindheit und diverse sexuelle Demütigungen zu der hoffnungslosen Frau wurde, die sie ist. In „Dead Man Down“ spielt Rapace die schöne Beatrice, deren Gesicht nach einem Autounfall entstellt ist und die daher ihrem Beruf als Kosmetikerin nicht mehr nachgehen kann („Jetzt ist es schwer für mich, Schönheitstipps zu geben.“). Draußen, im Hof ihres New Yorker Hochhauses, wird sie von Kindern beleidigt und als Monster bezeichnet, drinnen, in ihrer Wohnung, lebt sie einsam mit ihrer Mutter (Isabelle Huppert) zusammen und wünscht sich ein normales Leben – vielleicht zusammen mit dem Nachbarn von gegenüber, dem sie in die Wohnung schauen und zuwinken kann.

Ihr Nachbar heißt Viktor (Farrell) und der ist alles andere als der nette Junge von nebenan. Als Gangster schießt er sich durch die Nächte in New York, will aber auch die Fremde aus dem Nachbarhaus kennenlernen. Er geht mit Beatrice aus, das Kennenlernen fällt beiden schwer, der Abend ist eher steif als entspannt. Die Stimmung schlägt aber um, als Beatrice ihm ein Handyvideo zeigt, auf dem zu sehen ist, wie Viktor einen Mann in seiner Wohnung umbringt. Viktor ist geschockt! Und Beatrice verspricht ihm zu schweigen, wenn er für sie denjenigen umbringt, der den Unfall verursachte, durch den sie so entstellt ist.

Fortan sind die Leben der Beiden schicksalhaft verbunden und noch ahnt Beatrice nicht, dass nicht nur sie sondern auch Viktor auf einem Rachefeldzug ist.

„Dead Man Down“ ist dabei viel mehr als ein spannender Thriller. Zum einen besticht Oplev wieder einmal durch seinen Stil, zum anderen gelingt ihm ein Genremix aus Krimi, Melodram und sogar Liebesgeschichte. Denn gibt es einen reizvolleren Beginn einer Liebe im Großstadtdschungel als das immer wiederkehrende zufällige Sehen des jeweils anderen am Fenster der Wohnung im benachbarten Hochhaus? Auch zeigt Oplev eindrucksvoll, dass die beiden Hauptcharaktere durch ihre Vergangenheit in einen Strudel aus Rache und Gewalt geraten, beim jeweils anderen dessen Sinnlosigkeit erkennen, nur eben bei sich selbst nicht.

Wer dem Film nun vorwirft zuviel zu wollen, dem kann nur schwer widersprochen werden. „Dead Man Down“ bietet soviel Potenzial, das in den 117 Minuten Spieldauer kaum adäquat ausgeschöpft werden kann. Oplev hätte aus den vielen Facetten jeweils einzelne Filme machen können – eine Liebesgeschichte, eine Charakterstudie über das „Monster“ nach dem Unfall, einen Rache-Thriller über Gewalt und deren Sinnlosigkeit. Dennoch ist „Dead Man Down“ ein sehenswerter weil stilistisch und atmosphärisch überzeugender Thriller mit durchweg guten Darstellern.

Von Stephan Voigt

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