Robert Redford gehört als Schauspieler und Regisseur zu den Großen in Hollywood, machte sich in den vergangenen Jahren aber auf der Leinwand rar. Entsprechend sind neue Redford-Werke Ereignisse, auch, weil sie meist nicht nur spannend sondern auch klug sind. Das gilt auch für "The Company You Keep - Die Akte Grant".

Redford versammelte für seinen neuesten Thriller eine ganze Schar bekannter Hollywood-Schauspieler um sich: Julie Christie, Susan Sarandon, Nick Nolte, Stanley Tucci, Chris Cooper, Terrence Howard und vor allem Shia LaBeouf. Der - und nicht Redford selbst - ist der eigentliche Hauptdarsteller des Filmes und beweist, dass er den Absprung vom Actionkino geschafft hat. Die ersten drei Transformers-Filme machten den nun 23-Jährigen auf Schlag zum Star und nun spielt er sowohl in Blockbustern wie dem letzten Indiana-Jones-Film als auch in anspruchsvollen Werken wie "Wall Street 2" und nun "The Company You Keep" mit. Demnächst wird er außerdem einen Ausflug ins Arthouse-Kino wagen und in Lars von Triers schon jetzt skandalösem Film "Nymphomaniac" mitspielen.

In "The Company You Keep - Die Akte Grant" spielt LaBeouf einen jungen Lokaljournalisten, der an eine ganz große Geschichte gerät. Während des Vietnam-Krieges demonstrierten viele Amerikaner gegen das Töten und den Einsatz der Soldaten. Einige Mitglieder der Friedensbewegung radikalisierten sich, verübten Bombenanschläge und Banküberfälle. Heute, 30 Jahre später, geht die damals untergetauchte Sharon Solarz (Sarandon) dem FBI ins Netz. Ihrer damaligen Gruppe gehörten weitere Radikale an, die nun ebenfalls vom FBI gesucht werden. Journalist Ben Shepard recherchiert und ist den untergetauchten Radikalen bald auf den Versen.

Actionreiche Verfolgsjagden, Schockmomente, die das Publikum im Kinosaal zusammenzucken lassen, und wilde Schießereien - all das ist nicht Redfords Stil und findet in seinem neuesten Film auch nicht statt. "The Company You Keep" ist ruhig und dennoch fesselnd und spannend. Die Jagd des FBI und des jungen Reporters nach den Linksradikalen ist allerdings nur die vordergründige Handlung. Redford erzählt vor allem davon, dass die Radikalen von damals sich heute sehr gut in der Gesellschaft eingerichtet haben.

"Ich bin erwachsen geworden", sagt einer von ihnen entsprechend in dem Film. Die Staatsfeinde von damals arbeiten heute als Anwälte und Universitätsprofessoren, sie haben Familien gegründet und fühlen sich ihren Kindern gegenüber verantwortlich. Mutter zu werden verändere einen, sagt die von Susan Sarandon gespielte Solarz während eines Gesprächs mit dem jungen Journalisten.

Redford geht es dabei nicht darum, die Verbrechen der ehemaligen Radikalen zu verharmlosen. Einmal wird im Film direkt gesagt, dass die braven Bürger von heute die Terroristen von damals sind. Und diese Verbrechen müssen bestraft werden - auch 30 Jahre nach den Taten. Dass der Idealismus der Jugend mit dem Alter aber meistens verschwindet, dass wird bei Redford sehr deutlich - und das kann auch im realen Leben an vielen prominenten Beispielen belegt werden.

Insofern ist "The Company You Keep" oberflächlich gesehen vielleicht ein zu konventioneller Thriller. Wer tatsächlich politische Statements erwartet, der wird wohl das Kino etwas enttäuscht verlassen, dennoch ist der Film klug und sehenswert, weil er die Entwicklung der ehemaligen Staatsfeinde hin zu braven Bürgern sehr eindrucksvoll nachzeichnet.

Von Stephan Voigt


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