Jeder der Filme um den Superagenten James Bond ist ein Ereignis gewesen. Bond Nummer 23, Skyfall, bekommt aber dank des 50-jährigen Geburtstags der Reihe noch mehr Aufmerksamkeit. Und nach 143 Minuten kann festgestellt werden, dass Bond, James Bond nach einem halben Jahrhundert nichts verlernt hat.

1962 kam „James Bond jagt Dr. No“ in die Kinos – der Startschuss für eine Erfolgsgeschichte, die ihres Gleichen sucht. Skyfall-Regisseur Sam Mendes bezeichnet sich selbst als Fan der Reihe seit seinen Kindertagen – und das merkt man dem 23. Abenteuer des Superagenten an, der so super gar nicht mehr ist.

Seit Daniel Craig die Rolle übernommen hat, ist Bond verletzlich geworden, macht sich schmutzig, während er die Welt rettet, wird verwundet und scheitert in der spektakulären Eingangssequenz von „Skyfall“ sogar bei einem Auftrag. Diesen Pfad geht Regisseur Mendes weiter, erinnert sich aber als Fan auch an die Wurzeln der Serie und daran, was die Anhänger des Agenten mit der Lizenz zum Töten so sehr an den Filmen schätzen.

Waren Charaktere wie die Sekretärin Moneypenny und Tüftler Q in den ersten Craig-Bonds „Casino Royale“ und „Ein Quantum Trost“ nicht mehr mit von der Partie, tauchen sie in „Skyfall“ wieder auf. Aber auch die beiden Lieblinge aller Bond-Fans müssen sich der Devise unterordnen, dass mehr Realismus in der Bond-Welt herrschen soll. So antwortet Q (Ben Wishaw: „Das Parfüm“), als Bond ihn enttäuscht ansieht, weil er von dem Tüftler lediglich eine neue Waffe und einen Peilsender für seine Mission bekommt: „Haben Sie etwa an explodierende Kugelschreiber gedacht? Sowas machen wir nicht mehr.“

Auch der Gegenspieler Bonds ist kein skrupelloser Superreicher mehr, der die Weltherrschaft erringen möchte. Raoul Silva (Javier Bardem: „No Country for old Men“, „Das Meer in mir“) hat kleinere Ziele. Er ist ein Terrorist, der die Britische Krone in ihrem Herzen trifft – in London. Wenn er die Metropole mit Anschlägen wie Explosionen in der U-Bahn überzieht, dann erinnert das stark an Al-Qaida.

Eigentlich aber will Silva eine offene Rechnung mit Bonds Chefin M (Dame Judi Dench: „Tagebuch eines Skandals“, „Stolz und Vorurteil“) begleichen. Bond hilft M, was zur actionreichen Jagd über 143 Filmminuten führt, in denen Regisseur Mendes, der bereits in Filmen wie „American Beauty“ sein Können eindrucksvoll unter Beweis stellte, es schafft, neben bombastischer Action die hervorragenden Darsteller – allen voran Javier Bardem, der einen der besten Bond-Bösewichte überhaupt abliefert – zum Zuge kommen zu lassen und „Skyfall“ mit atmosphärischen, teils geradezu epischen Bildern den perfekten Look zu verpassen.

Kurzum: Während andere Filmreihen schon nach Folge zwei an Qualität verlieren, läuft Bond nach einem halben Jahrhundert zu neuer Höchstform auf. Skyfall ist vielleicht sogar der beste Bond überhaupt.

Von Stephan Voigt

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