Zahlreiche Filme über Tom Clancys Helden Jack Ryan gab es bereits zu sehen, viele Stars wie Ben Affleck und Harrison Ford schlüpften in die Rolle des Agenten. Nun der Neustart mit dem jungen Chris Pine, der aber längst kein Unbekannter mehr ist.

Wie bei Reboots – so der Hollywood-Begriff für den Neustart bekannter Filmreihen – üblich, bekommt der Zuschauer bei „Jack Ryan: Shadow Recruit“ die Agenten-Anfänge des Helden zu sehen. Er studiert Wirtschaftswissenschaften, meldet sich freiwillig nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 zum Dienst in Afghanistan und wird mit seinem Hubschrauber prompt abgeschossen. Heldenhaft rettet er zwei Kameraden, muss sich danach aber schwer verletzt monatelang zurück ins Leben kämpfen. Dort lernt er die junge Ärztin Cathy Muller (Keira Knightley) kennen und lieben.

All dies wird binnen weniger Minuten abgehandelt. Ein halbes Leben mit teils traumatischen Ereignissen in einigen wenigen schlaglichtartigen Szenen zu zeigen, wird der Figur des Jack Ryan aber ebenso wenig gerecht, wie dem Anspruch an ein solches Reboot, der Hauptfigur charakterliche Tiefe zu verleihen. Hier hätte sich Regisseur Kenneth Branagh, der auch als Jack Ryans Gegenspieler Viktor Cherevin vor der Kamera steht, ein Beispiel am James-Bond-Neuanfang „Casino Royale“ nehmen können.

Das tat Branagh aber offensichtlich nicht. Denn auch im weiteren Verlauf hetzt der Film derart durch die Handlung, dass zwangsläufig Logiklöcher klaffen. So wird Jack Ryan als Analyst in eine Bank an der Wall Street eingeschleust und soll dort verdächtige Kontobewegungen ausmachen. Das gelingt ihm und schon sitzt er im Flugzeug nach Moskau, wo nicht nur seit mehr als 20 Jahren abgelegte Feindbilder, sondern auch Gewalt und Action auf ihn warten.

Wie Jack Ryan herausfindet, dass schwarze Konten aus Russland nicht nur mit einem geplanten wirtschaftlichen Anschlag auf die USA, sondern auch mit einem Terrorakt mitten in New York zusammenhängen, das hat mehr mit Spekulationen, als mit Spürsinn zu tun. Mit 106 Minuten ist "Jack Ryan: Shadow Recruit" relativ kurz geraten, dennoch wirkt es, als müsse sich der Regisseur stets beeilen und könne alles ein bisschen, nichts aber richtig darstellen. Hinzu kommt, dass dieses neue Abenteuer um den Agenten, das dieses Mal nicht auf einem Roman Tom Clancys beruht, nichts wirklich Neues liefert. Der Plot ist vorhersehbar, die Actionszenen zwar spannend, aber ebenfalls nicht innovativ.

Trotzdem versöhnt das Finale von "Shadow Recruit" mit vielen Fehlern und entlässt den Zuschauer nicht gänzlich frustriert, weil endlich deutlich an der Spannungsschraube gedreht wird. Tot ist die Jack-Ryan-Reihe daher sicher nicht, auch wenn seit dem letzten Film, "Der Anschlag" mit Ben Affleck, zwölf Jahre vergangen sind. Keira Knightley ("Stolz und Vorurteil", "Fluch der Karibik") stellt hier zwar schauspielerisch selbst Größen wie Kevin Costner ("Robin Hood", "Waterworld"), der den Vorgesetzten von Jack Ryan spielt, in den Schatten, dennoch ist das Ensemble um den jungen Hauptdarsteller Chris Pine ("Star Trek: Into Darkness", "Das gibt Ärger") zu sympatisch, um in einigen Jahren wieder durch ein neues ersetzt zu werden.

Bleibt nur zu hoffen, dass die Macher aus ihren Fehlern lernen und dann einen wirklich guten nächsten Agenten-Thriller um Jack Ryan vorlegen.

Von Stephan Voigt


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