Laut, anstrengend, schmutzig – die Arbeit in einer Hamburger Tapetenfabrik in den 1960er Jahren ist für Gisela Werler hart. Sie träumt von einem Leben im fernen Capri und wird dafür zu Deutschlands erster Bankräuberin. Endlich, 50 Jahre darauf, hat sich das Kino dieses Stoffes angenommen.

Schick herausgeputzt begeht die Banklady ihre ÜberfälleRegisseur Christian Alvart hat in seiner Karriere schon viele Genres bedient: mit „Antikörper“ schuf er einen blutigen Thriller, der ihm die Tür zum internationalen Geschäft öffnete. Alvart drehte daraufhin mit Stars wie Renée Zellweger und Bradley Cooper („Fall 39“) sowie Dennis Quaid („Pandorum“) und zeichnet zudem für die ersten beiden Til-Schweiger-Actionspektakel beim „Tatort“ verantwortlich. Und jetzt also die „Banklady“, ein Krimi, der den Zuschauer in die 1960er Jahre entführt.

Nadeshda Brennicke, die bereits mehrfach für Alvart vor der Kamera stand, spielt Gisela Werler, die tatsächlich zwischen 1965 und 1968 mehrere Banken in und um Hamburg überfiel und damit Deutschlands erste weibliche Bankräuberin ist. Brennicke, vor allem aus dem Fernsehen bekannt, spielt die verschüchterte, zurückhaltende Gisela Werler, die mit 30 Jahren noch bei den Eltern lebt, wunderbar und steht – nicht nur wegen ihrer auffälligen und farbenfrohen Kleidung im grauen Hamburg – ganz im Mittelpunkt des Filmes.

Die graue Maus Gisela träumt sich mit Hilfe von Frauenzeitschriften immer wieder in eine schöne, fremde Welt voller Luxus und teurer Kleidung. Dieses Faible lebt sie bei ihren Überfällen aus, die sie mit Hermann Wittorff (Charly Hübner) begeht. Sie zieht sich auffällige und teure Kleidung an und wird so von den Zeitungen schnell als Banklady bezeichnet – auch, weil sie bei ihrem ersten Überfall ganz höflich darum bittet, ihr das Geld auszuhändigen.

Wie Bonnie und Clyde begehen Werler und Wittorff die Überfälle auf kleine Banken in und um Hamburg und bekommen dabei Hilfe von Taxifahrer Uwe (Andreas Schmidt). Zwei Männer und eine schöne Frau – das kann nicht lange gut gehen. Und so gibt es sehr bald Eifersüchteleien, die die Drei in ernste Gefahr bringen.

Diese Mischung aus Krimi, Romanze und Kostüm-Film hat zur Mitte hin zwar einige Längen, ist ansonsten aber kurzweilig und vor allem wegen Hauptdarstellerin Nadeshda Brennicke und ihrer Kostüme absolut sehenswert. Sie braucht nicht viele Worte, um zu zeigen, dass die Banküberfälle für Gisela Werler mehr waren, als nur eine Möglichkeit, schnell an Geld zu kommen. Sie bedeuteten auch einen Ausbruch aus der typischen Frauenrolle jener Zeit, eine Emanzipierung in teurer Kleidung, die gerade ihre Weiblichkeit betont, als wolle sie der Welt entgegen schreien: Auch Frauen können Banken ausrauben! Auch Frauen können Handeln, die Dinge in die Hand nehmen, stark sein, Mut beweisen!

Insofern ist „Banklady“ ein Film deutscher Film, ein Film über Hamburg und auch ein Film über die Emanzipation der Frauen. Oder anders: „Banklady“ ist ein guter Film.

Von Stephan Voigt

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