Die charmanten Betrüger gibt es immer wieder im Kino zu sehen. Zuletzt zeigte Regisseur Steven Soderbergh mit Ocean’s Eleven und den Fortsetzungen, dass derartige Filme Bestseller werden können. Nun bilden in „Focus“ Will Smith und Margot Robbie das Gauner-Duo. Kann das erneut funktionieren?

Ja, es kann. Und das, obwohl der Film keine großen Spannungsmomente hat und stellenweise an den Haaren herbeigezogen ist. Das aber verzeiht man den Regisseuren und Autoren Glenn Ficarra und John Requa, die gemeinsam auch für „I Love You Phillip Morris“ und „Crazy, Stupid, Love“ verantwortlich zeichnen, nur zu gern.

Das liegt vor allem an den Hauptdarstellern Will Smith und Margot Robbie. Die beiden harmonieren so gut zusammen und wirken so sympathisch, dass man Smith nach einigen Flops in den vergangenen Jahren nun einen Erfolg von Herzen gönnt und der erst 24-jährigen Robbie, die bereits neben Leonardo diCaprio in „Wolf of Wall Street“ spielte, gern bei den großen Sprüngen auf der Karriereleiter zusieht.

Die beiden spielen die Trickbetrüger Nicky (Smith) und Jess (Robbie), die sich zufällig kennenlernen. Bald darauf führt Nicky die noch unerfahrene Jess in die hohen Weihen der Betrügereien ein: Uhren, Portemonnaies – nichts ist vor ihnen sicher. Dass sich die Gauner sehr bald in einander verlieben gehört zu den großen Hollywood-Gesetzen und muss eigentlich nicht weiter erwähnt werden, obwohl hinter der Besetzung doch auch ein Politikum steckt. Schließlich wollten die Produzenten von "Hitch - der Date-Doctor" 2005 noch nicht, dass sich die vom Farbigen Smith gespielte Figur in eine Weiße verliebt und besetzten als weibliche Hauptrolle die Latina Eva Mendes. Nun, zehn Jahre später, darf Smith also eine weiße, blonde Frau küssen...

Den Regisseuren gelingt es fernab aller Schwarz-Weiß-Hollywood-Politik, die Gauner durchweg sympathisch darzustellen, sodass der Zuschauer zu keiner Minute darauf hofft, dass dem Treiben der beiden ein Ende gesetzt wird. Außerdem – und das ist die größere Leistung – schaffen es Ficarra und Requa sehr bald durch zahlreiche Wendungen, dass der Zuschauer nicht mehr weiß, was nun Teil eines Betrugs ist und was nicht. Immer muss also wieder mit einem Storytwist gerechnet werden, was, auch wegen der eigentlich spannungsarmen Handlung, dazu führt, dass der Zuschauer sich dem Film und dem Geschehen gänzlich ausliefert und sich einfach nur noch unterhalten lässt.

Und genau darum geht es bei „Focus“ – Unterhaltung. Der Film ist Popkornkino, wird nicht in die Filmgeschichte eingehen und einen Oscar dürfen Smith und Robbie auch nicht erwarten. Dennoch ist die Mischung aus Krimi, Humor und Liebesgeschichte gut ausbalanciert, kurzweilig und leichtfüßig erzählt. Kurz: Sehenswert!

Von Stephan Voigt

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