Ewig leben und dabei körperlich auf dem Stand eines 25-Jährigen bleiben - was für ein Traum. Oder ist das doch eher eine Qual? Andrew Niccols neuer Thriller "In Time - Deine Zeit läuft ab" befasst sich unter anderem mit dieser Frage und hat zudem gute Schauspieler zu bieten. Trotzdem fehlt etwas...

"In Time" spielt in einer Zukunft, in der die Menschen 25 Jahre alt werden und danach noch ein Jahr zu leben haben. Geld gibt es nicht, gezahlt wird mit Zeit. Eine Tasse Kaffee? Vier Minuten. Busfahren? Zwei Stunden. Wer also gute Arbeit hat und viel verdient, der kann ewig leben. Was aber, wenn ein armer Arbeiter aus dem Ghetto (Justin Timberlake) in die Welt der Reichen eindringt und ihnen ihre Zeit stiehlt...?

Für Hintergründige Science-Fiction-Filme ist Regisseur Andrew Niccol bekannt. So gehen zum Beispiel "Gattaca" und "Die Truman-Show" auf sein Konto, aber auch die bitterböse Satire "The Lord of War". Trotzdem muss "In Time" scheitern, denn das ernste Thema ist schlicht zu komplex, um es adäquat in einem unterhaltsamen Actionthriller zu verpacken. Trotzdem wirft Niccol Fragen auf, streift zahlreiche Probleme. So sind die Reichen, die ewig leben werden, nur darauf bedacht, keine irgendwie geartete Dummheit zu begehen, an der sie doch den Tod finden könnten. Ist es aber Leben, wenn man nicht einmal ins Meer baden geht? Und nutzt man seine Tage wirklich, wenn man seine Wünsche und Träume heute oder in 100 Jahren erfüllen kann?

Ein derartiges "Leben" führt der reiche Philippe Weis (Vincent Kartheiser) mit seiner Tochter Sylvia (Amanda Seyfried). Als sich der Arbeiter Will Salas (Timberlake) in die Welt der Reichen einschleicht, wird er sehr bald von einem futuristischen SS-Mann, einem Timekeeper (Cillian Murphy) verfolgt, der dafür sorgen muss, dass nicht zuviel Zeit in die falschen Hände gerät. Will erkennt bald die Ungerechtigkeiten, dass die armen Menschen hart arbeiten, meistens nur noch wenige Stunden auf ihrer Lebensuhr haben und sterben, damit die reichen ewig leben können. Und die Wohlhabenden verschließen die Augen vor dieser Ungleichheit, leben ihr schönes Leben und wissen nicht, wie es in den Armenvierteln zugeht.

Auch das ist natürlich eine nicht zu übersehende Parabal auf das Verhältnis von wohlhabenden Staaten zu Entwicklungsländern, von Industrienationen zu denen, die ausgebeutet werden. Filmen wie "In Time" muss man zugute halten, dass sie ein breiteres - zumindest ein anderes - Publikum ansprechen, als die immer wiederkehrenden Berichte über genau diese Themen in den Nachrichten. Insofern ist es gut, dass es Filme wie diesen gibt. Leider aber kann "In Time" auch als Actionfilm nicht ganz überzeugen. Er ist unterhaltsam, nicht langweilig, aber auch nicht wirklich fesselnd. Hauptdarsteller Justin Timberlake ist hauptberuflich Popstar, macht seine Sache solide, aber nicht überragend. Amanda Seyfried ("Mamma Mia", "Briefe an Julia, "Red Riding Hood") muss hier ihre Kulleraugen und ihre Beine gekonnt in die Kamera halten und verkauft sich damit deutlich unter Wert. Gleiches gilt für Cillian Murphy ("Red Eye", "The Wind that shakes the Barley", "Batman Beginns"), der ebenfalls bereits in deutlich anspruchsvollere Rollen schlüpfen durfte.

So ist "In Time" einer der vielen Filme, die den Zuschauer nach 109 Minuten nicht unzufrieden zurücklassen, an die sich in drei Jahren allerdings auch niemand mehr erinnern wird.

Von Stephan Voigt

 

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