Roland Emmerich hat eine Leidenschaft: die Welt zerstören. In "2012" stirbt unsere Zivilisation wegen des Ende des Maya-Kalenders, in "The Day After Tomorrow" sind es Naturgewalten, in "Independence Day" Außerirdische und in "White House Down" Terroristen, die die Welt bedrohen. In Emmerichs neuestem Werk wird zwar nicht die Welt als Ganzes bedroht, dafür aber das Weiße Haus als Symbol für Amerika als Demokratie. Und das ist in Hollywood-Blockbustern ja gleichzusetzen mit dem Ende der Welt.

Dass in "White House Down" eine handvoll Terroristen binnen Minuten das Weiße Haus einnehmen, Geiseln machen und den Präsidenten (Jamie Foxx: "Ray", "Django Unchained") sowie wichtige Minister in ihre Gewalt bringen, ist natürlich so nur in Hollywood möglich. Dass ein einfacher Polizist und Ex-Soldat (Channing Tatum: "Magic Mike", "21 Jump Street"), dessen Bewerbung als Security des Präsidenten gerade erst abgelehnt wurde, mit seiner elfjährigen Tochter (Joey King: "Crazy. Stupid. Love.", "Dark Knight Rises") zufällig eine Führung durch das Weiße Haus macht, als die Terroristen angreifen und dann zum Retter des Präsidenten und ganz Amerikas wird, ist ebenso an den Haaren herbeigezogen. Roland Emmerich weiß das und tut das einzig Richtige: Er nimmt den Film selbst nicht so ernst.

Wenn der Präsident sich erst einmal eine Brille aufsetzt, bevor er einen der Terroristen mit dem Maschinengewehr erschießt oder wenn auf allen Nachrichten-Kanälen zu sehen ist, wie der US-Präsident versucht, sich mit einer Panzerfaust einen Weg aus dem Weißen Haus freizuschießen und das mit den Worten kommentiert wird, derartiges gebe es nur selten zu sehen, dann beweist der Regisseur ein sicheres Gespür für Humor zwischen den vielen Schießereien und Explosionen. Die Actionszenen bleiben allerdings der Star des Filmes. Der Zuschauer kommt kaum zum Durchatmen, denn Präsident Sawyer und sein Lebensretter Cale geraten von einer brenzligen Situation in die nächste. Emmerich macht es sichtlich Freude, das Weiße Haus Raum für Raum in Schutt und Asche zu legen und langsam immer mehr von der großen Verschwörung zu offenbaren, die - wie sollte es anders sein - im Oval Office ihr großes Finale findet.

Dabei ist es vollkommen egal, dass hochkarätige Schauspieler wie Jamie Foxx und Maggie Gyllenhaal kaum einen Bruchteil ihres Könnens präsentieren brauchen. Sie alle stehen sowieso im Schatten des jungen und breitschultrigen Channing Tatum, der als Actionheld den Film dominiert und in bester Bruce-Willis-Manier im Unterhemd die Terroristen ausschaltet.

Aber genau das zu sehen macht großen Spaß. "White House Down" ist trotz seiner 131 Minuten Spieldauer sehr kurzweilig und - nachdem er mit "10.000 B.C." und "The Day After Tomorrow" auch schon schwache Filme gedreht hat - eines der besten Emmerich-Werke. Kurz: Grandioser Quatsch, großes Popcornkino.

Von Stephan Voigt


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