Wir alle werden immer älter - wieso also nicht auch Action-Helden? Im zweiten Teil der "R.E.D."-Reihe wird genau das wieder thematisiert. Die dreht sich nicht um junge Super-Agenten sondern um welche, die eigentlich schon in Rente sind und dennoch nichts verlernt haben.

Bruce Willis wird in zwei Jahren 60, John Malkovitch feiert den runden Geburtstag in diesem Jahr und Helen Mirren geht sogar auf die 70 zu. Genau dieses Trio spielt drei Superagenten im Ruhestand, denen nun schon zum zweiten Mal urplötzlich nach dem Leben getrachtet wird. Wieso sollen Frank und Marvin (Willis und Malkovich) dieses Mal umgebracht werden? Sie suchen die Antworten und die reichen viele Jahre zurück - in die Zeiten des Kalten Krieges...

Action-Stars, die (fast) schon im Rentenalter sind? Natürlich nimmt sich "R.E.D." selbst nicht ernst und zeigt dennoch in Zeiten des demografischen Wandels, dass auch Weltretter älter sein können als James Bond oder Jason Bourne. Dass Bruce Willis hier augenzwinkernd den Rentner-Superheld gibt und gleichzeitig ganz ernst weiterhin die Welt in der "Stirb Langsam"-Reihe rettet zeigt, dass er auch sich sich selbst nicht ganz ernst nimmt - sehr sympatisch.

Dass die Geschichte an den Haaren herbeigezogen ist und sämtliche längst überwundene Klischees bedient, gehört dabei zum Konzept der Filmreihe. Die Verschwörung in "R.E.D. 2" reicht bis in den Kalten Krieg zurück, es geht um eine schreckliche Massenvernichtungswaffe und die Schurken stammen aus Russland und dem Iran. Während bei einer derartigen Mischung anno 2013 bei jedem anderen Film zahlreiche Zuschauer kopfschüttelnd das Kino verlassen hätten, ist das genau das Erfolgsrezept von "R.E.D.". Nichts ist wirklich ernst gemeint, zwischen den vielen pompös inszenierten Actionszenen gibt es viel zu lachen.

Und genau das macht den Schauspielern sichtlich Spaß. John Malkovich ist wohl das Beste, was dem Film passieren konnte. Er spielt den exzentrischen Agenten A.D. genau wie immer: frantastisch. Helen Mirren, immerhin Oscar-Preisträgerin, hat eine kleinere Rolle als im ersten Teil, aber dennoch sieht man ihr an, wieviel Freude sie als fast 70-Jährige hat, sich und ihren Freunden in aberwitzigen Stunts den Weg freizuschießen. Und Bruce Willis? Der will als Frank eigentlich sein Privatleben genießen und muss mit ansehen, wie seine Freundin Sarah (Mary-Louise Parker) ganz zu seinem Verdruss immer mehr Gefallen an Explosionen und Schießereien findet.

In Nebenrollen dabei sind übrigens auch Catherine Zeta-Jones als - natürlich - russische Agentin und Anthony Hopkins als verrückter Wissenschaftler, der - ganz im Stil seiner Paraderolle Hannibal Lector - zunächst in einer dunklen Zelle eingesperrt ist und den Helden unbedingt helfen soll, die Welt zu retten. Dass Hopkins dabei zeitweise die grandiose Boshaftigkeit des Hannibal Lector aufblitzen lassen kann, ist dabei eine besonders große Freude.

"R.E.D." ist also ein absolut gelungener Film, der sich dadurch vom Hollywood-Einerlei abhebt, dass er sich eben absolut nicht ernst nimmt und trotz aller Ironie hochklassige Action liefert. Und noch etwas macht "R.E.D. 2" zu etwas Außergewöhnlichem: Die Fortsetzung - und das ist eine Seltenheit - ist noch deutlich besser als Teil eins. Kurz: Die Helden im Rentenalter sind längst nicht nur etwas für ein Rentner-Publikum.

Von Stephan Voigt


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