Der dritte Film um sich verwandelnde außerirdische Roboter, die auf der Erde einen wahrhaft bombastischen Krieg austragen, spielte weltweit mehr als eine Milliarde Dollar ein. Klar, dass es einen vierten Teil geben würde. Nun ist „Transformers: Ära des Untergangs“ in den Kinos – und hat deutliche Schwächen.

Vorweg: Regisseur Michael Bay hat richtig erkannt, dass nach drei überaus erfolgreichen Transformers-Filmen frischer Wind nicht schaden kann. So wurde das Cast komplett getauscht, um mit „Ära des Untergangs“ Anlauf zu einer neuen Trilogie zu nehmen, die sich aber an die ersten drei Filme anschließt. Auf ein schlichtes Reboot zu verzichten, ist dabei eine weitere kluge Entscheidung.

Ebenfalls schlau, wenn auch vielleicht überraschend: Statt auf bislang eher unbekannte Hauptakteure zu setzen und diese durch das riesige Transformers-Franchise zu Stars zu machen, hat Bay als Hauptdarsteller Mark Wahlberg verpflichtet, der immerhin eine Oscar- und eine Golden-Globe-Nominierung für „Departed – Unter Feinden“ beziehungsweise „The Fighter“ vorweisen kann. Ihm zur Seite stehen die 19-Jährige Nicola Peltz („Die Legende von Aang“) als seine Tochter Tessa und der 22-Jährige Jack Reynor („Der Lieferheld“) als Tessas Freund Shane.

Um die Drei einzuführen – und das ist der erste und gröbste Fehler Bays – nimmt sich der Regisseur viel Zeit. Die erste Hälfte des mit 165 Minuten viel zu lang geratenen Films geht dahin und hat wenig zu bieten. Der Zuschauer erfährt, dass der von Wahlberg gespielte Cade Yeager alleinerziehender Vater ist und seiner Tochter keinerlei Kontakt zu Jungen gestattet. Außerdem ist Cade ein etwas verrückter und kindsköpfiger Tüftler, der kaum von seiner Arbeit leben kann. Im weiteren Verlauf macht er dann die in Actionfilmen so oft anzusehende Wandlung vom Loser zum Helden durch.

Überhaupt hat „Transformers: Ära des Untergangs“ wenig Innovatives zu bieten. Stattdessen gibt Regisseur Michael Bay seinen Fans das, was sie erwarten: teure und schnelle Autos, vor allem in der zweiten Hälfte des Filmes gigantische Explosionen und Kämpfe und die langen, meist nackten Beine von Nicola Peltz.

Dass das meist männliche Publikum nach Megan Fox in den ersten beiden Teilen und Rosie Huntington-Whiteley im dritten Transformers-Film nun wieder eine junge Schönheit sehen möchte und zu sehen bekommt, ist klar. Bay bleibt dabei seiner Linie treu, die Reize seiner Akteurinnen ganz plump in die Handlung zu integrieren. So bekommt der Zuschauer in „Ära des Untergangs“ einmal Peltz’ Beine in Großaufnahme zu sehen, woraufhin Wahlberg als Tessas Vater zu seiner Tochter sagt, ihre Hotpants würden ja immer kürzer werden.

Ähnlich unfreiwillig komisch sind weitere Szenen, die dramatisch sein sollen, sich durch einen teilweise schlecht agierenden Mark Wahlberg aber ins Gegenteil verkehren. Wirklich gut ist einzig Stanley Tucci ("Tribute von Panem"), der am Ende des Filmes einige echte Glanzmomente als Waffenproduzent hat.

Um diesen Waffenproduzenten dreht sich der Film. So etwas wie eine Handlung hat dieser vierte Transformers nämlich auch zu bieten. Nach der großen Schlacht in Chicago im dritten Teil haben die Menschen genug von den außerirdischen Robotern und machen Jagd auf sie – auf die bösen und die guten. Die Menschen brauchen die Transformers nicht mehr, weil sie nun selbst welche herstellen und damit die Kriegsführung revolutionieren können. Der Anführer der guten Autobots, Optimus Prime, gelangt auf Umwegen zu Tüftler Cade Yeager, der ins Visier der Regierung gerät. So werden Yeager, seine Tochter und deren Freund Teil des Kampfes zwischen Autobots und der Regierung.

Diese neue Wendung gehört ebenfalls zu den positiven Aspekten, die „Ära des Untergangs“ zweifelsfrei hat. Denn wenn Regisseur Bay seinen Fans das gibt, was sie von ihm erwarten, dann bedeutet das auch, dass dieser Transformers-Film erneut großartige Actionszenen, viele Explosionen und eine Menge Spannung zu bieten hat. Und die Beine sowie der Schmollmund von Nicola Peltz sind ebenfalls nicht zu missachten...

Also ist „Transformers: Ära des Untergangs“ zwar der wohl schwächste Film der Reihe, aber dennoch kein Totalausfall. Zwei weitere Teile werden folgen, in denen Michael Bay unbedingt weniger ausschweifend erzählen sollte – das passt weder zum ihm, noch zu seiner Art von Film. Ansonsten ist auch dieser Streifen explosives Popcornkino für kleine und große Jungs.

Von Stephan Voigt

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