Alles begann 1944 in einem Konzentrationslager in Polen – der erste X-Men-Film aus dem Jahr 2000 genauso, wie der jetzt aktuelle. Das Prequel „X-Men: Erste Entscheidung“ beginnt mit der gleichen Szene, beleuchtet dann aber die Vorgeschichte der Mutanten. Und das ist sehenswerter als der Vorgänger-Film – oder besser der dritte Nachfolger?

Der  derzeitige Trend um Neuauflagen von erfolgreichen Filmreihen treibt teils skurrile Blüten. Jüngstes Beispiel ist das Spiderman-Reboot, obwohl die letzten Filme nur wenige Jahre zurückliegen. Solange es Geld in die Kassen der Filmbranche spült... Gleiches gilt für Prequels, also Vorgeschichten bekannter Filme. Ist eine Handlung bis zum Schluss ausgereizt, kann man immer noch mit der Vorgeschichte Geld verdienen.

Insofern war auch Vorsicht beim angekündigten Prequel der bislang drei X-Men-Filme angesagt, die schon von Mal zu Mal schlechter wurden. Jetzt noch ein Prequel mit jungen Darstellern, die großartige Mimen wie Patrick Steward, Ian McKellan und Oscargewinnerin Halle Berry ersetzen sollen? Doch es funktioniert! Mehr noch: Das Prequel ist deutlich besser als „X-Men: Der letzte Widerstand“, Teil 3 der Vorgängerfilme.

Das liegt nicht zuletzt daran, dass Regisseur Matthew Vaughn („Kick Ass“) erneut einige großartige Schauspieler im Ensemble hat: Michael Fassbender („Band of Brothers“, "Inglourious Basterds“), James McAvoy („Der letzte König von Schottland“, „Abbite“) und Jennifer Lawrence, die derzeit in „Auf brennender Erde“ neben Charlize Theron und Kim Basinger in deutschen Kinos für Aufsehen sorgt.

Wichtig auch für die neue Qualität bei den X-Men ist die Tatsache, dass neben zahlreichen und sehr gut inszenierten Action-Szenen wieder ein deutlicherer Fokus auf der Handlung um den Minderheiten-Konflikt zwischen Menschen und Mutanten liegt. Gerade diese stets aktuelle Frage, wie eine Gesellschaft mit Minderheiten umgeht – sieht sie sie als Bedrohung oder als Teil ihrer selbst an? –, sollte die X-Men-Filme ausmachen.

Regisseur Vaughn erzählt in „Erste Entscheidung“ vor dem Hintergrund der Cuba-Krise – sie wurde natürlich sowohl von Mutanten angezettelt als auch bereinigt – die Vorgeschichte der X-Men rund um die noch befreundeten Magneto (Fassbender) und Professor Xavier (McAvoy). Gemeinsam bekämpfen sie Sebastian Shaw (Kavin Bacon), der mit einigen Mutanten einen Weltkrieg auslösen möchte und an den Magneto keine guten Erinnerungen hat...

Für Fans der Filme ist bei dem aktuellen besonders interessant, dass einige offene Fragen zur Vorgeschichte einzelner Charaktere geklärt werden und dass man erfährt, wie genau es zu dem Zwist zwischen Magneto und Xavier kam, der später zur Gründung der bösen Bruderschaft und der guten X-Men führte. Die Informationen dazu streut Regisseur Vaughn geschickt in kleinen Dosen in das Geschehen ein, sodass dies auch auf einer psycholo-gischen Ebene durchaus schlüssig wirkt.

Trotzdem ist und bleibt „X-Men: Erste Entscheidung“ ein Actionfilm und Popcornkino. Der Film erfüllt entsprechende Erwartungen vollkommen und sorgt mit einigen eingestreuten Gags – inklusive eines augenzwinkernden Cameo-Auftritts von Hugh Jackman als Wolverine – sogar für Lacher im Kinosaal. Man darf auf ein Sequel vom Prequel hoffen...

Von Stephan Voigt

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