Die Verfilmungen der Comics aus dem Marvel-Universum mit Iron Man, Captain America, Thor, Hulk und den Avengers sind so erfolgreich, dass sich das Unternehmen 2014 etwas ganz Verrücktes traute: Marvel verfilmte seine Guardians of the Galaxy. In den Hauptrollen: ein Waschbär und ein Baum. Und wieder hatte das Studio einen riesen Erfolg!

Was Marvel auch anfasst, es wird zu Gold - und zu viel Geld. Tatsächlich spielten die Guardians of the Galaxy weltweit mehr als 700 Millionen Dollar ein und wurden der Sommerhit des Kinojahres. Dabei wirken die Helden des Weltraum-Abenteuers selbst für ein Filmuniversum, in dem es grüne Monster wie den Hulk und den Gott Thor mit seinem Hammer gibt, skurril. Neben dem Menschen Peter Quill (Chris Pratt, der mit dieser Rolle über Nacht zum Star wurde), der unter dem Namen Star Lord durch die Galaxie reist und sich sein Geld als Dieb und Schmuggler verdient, tauchen der Waschbär Rocket (gesprochen im englischen Original von Bradley Cooper), das baum-ähnliche Wesen Groot (gesprochen von Vin Diesel), der starke Drax (Dave Bautista) und die grünhäutige Gamora (Zoë Saldaña) in den Heldenrollen auf.

Bis diese illustre Runde aber tatsächlich zueinander findet und gegen den bösen Thanos (Josh Brolin) kämpft, geschieht einiges. Denn jeder der Akteure hat zunächst seine ganz eigenen Ziele und irgendetwas auf dem Kerbholz. Alle sind in irgendeiner Form Gejagte beziehungsweise Getriebene. Als sie aber merken, dass sie sich im Besitz eines sogenannten Infinity-Steins befinden, der unsagbare Macht verleiht und den Thanos unbedingt haben möchte, beschließen sie, fortan nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander zu arbeiten und den Stein in Sicherheit zu bringen.

Soweit, so oberflächlich. Die Handlung hat nicht viel zu bieten, das muss sie aber auch nicht. Guardians of the Galaxy lebt viel mehr von seinen vielen schrägen Charakteren. So legt Star Lord, wenn er ein Ding dreht, eine Kassette mit irdischen Popsongs aus den 1980er-Jahren in seinen Walkman ein, Waschbär Rocket ist auch in brenzligen Situationen immer für einen - politisch nicht korrekten - Witz zu haben und das Baumwesen Groot kann nur einen Satz sprechen und muss damit alles ausdrücken, was es denkt und fühlt: "Ich bin Groot." All diese Figuren sind so verrückt, dass man sie sofort ins Herz schließt und mit ihnen fiebert. So schnell werden Kino-Helden geboren.

Dass die Guardians of the Galaxy dabei keine wirkliche Verbindung zum restlichen Marvel Cinematic Universe haben, ist kein Nachteil. Lediglich Oberschurke Thanos, der beispielsweise im ersten Avengers-Film kurz zu sehen war, macht deutlich, dass sich Star Lord, Groot, Rocket, Drax und Gamora im gleichen Filmuniversum bewegen, wie Iron Man, Thor, Hulk, Captain America und Black Widow. Die eigentlich für Marvel-Comicverfilmungen typischen Anspielungen auf Vorgänger-Streifen fehlen hier aber gänzlich. Das zeigt aber, dass die Guardians auch für sich selbst stehen können und allein überzeugen. Eine spätere Zusammenführung der vielen Superhelden ist dabei aber alles andere als ausgeschlossen, zumal die Infinity-Steine im gesamten Marvel-Kino-Kosmos an Bedeutung gewinnen und schließlich sogar im Titel der beiden kommenden Avengers-Abenteuer auftauchen.

Guardians of the Galaxy ist also ein absolut sehenswerter, tricktechnisch hochklassiger, lustiger und ebenso spannender Science-Fiction-Film, den sich nicht nur Marvel-Fans anschauen sollten. Nebenbei ist der Streifen auch noch bis in die Nebenrollen mit Glenn Close, Djimon Hounsou und Benicio del Toro glänzend besetzt. Man darf auf 2017 gespannt sein - dann wird die Fortsetzung in den Kinos erscheinen.

Von Stephan Voigt

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