Der mittlerweile fünfte X-Men-Film "Zukunft ist Vergangenheit" ist etwas Besonderes - nicht nur, weil Bryan Singer doch noch einmal auf dem Regiestuhl Platz nimmt. Nein, das sonst schon hochklassige Ensemble der Filme wurde an Qualität verdoppelt.

Diese Beschreibung scheint nur auf en ersten Blick außergewöhnlich, denn während die ersten drei Filme um die Mutanten mit Stars wie Ian Übermenschliche Action: Beast kämpft gegen Magneto © 2014 Twentieth Century FoxMcKellan, Patrick Steward, Halle Berry, Hugh Jackman und Ellen Page furios besetzt waren, entschlossen sich die Macher dann zu einem Reboot der Reihe. Die frühen Jahre der Mutantenschar sollten dargestellt werden, also mussten jüngere Darsteller her. Und auch die hatten ihren Vorgängern an Qualität nichts nachzustehen: James McAvoy, Michael Fassbender und Jennifer Lawrence traten in die großen Fußstapfen ihrer Vorgänger - mit durchschlagendem Erfolg. Nun bringt Regisseur Singer beide Ensembles zusammen.

Der Filmtitel ist nämlich Programm. "Zukunft ist Vergangenheit" bedient sich der Zeitreise, um die jungen Mutanten auf die älteren treffen zu lassen - so zumindest das Versprechen des Studios 20th Century Fox. Eingehalten wird dieses Wort dann allerdings nicht wirklich, was auch das größte Manko des Filmes ist. Die älteren X-Men dienen nämlich lediglich als Rahmenhandlung, die im Jahr 2023 spielt - in nicht allzu ferner Zukunft also.

Diese Zukunft sieht aber düster aus. Mutanten und Menschen, die ihnen helfen wollen, werden gejagd und getötet. Ein Wissenschaftler hat dafür eine Waffe entwickelt, gegen die die Mutanten keine Chance haben: die sogenannten Sentinals. Regisseur Singer braucht nur wenige Bilder, um klar zu machen, dass diese düstere und fiktive Zukunft eine Anspielung auf eine ebenso düstere und leider gar nicht fiktive Vergangenheit ist: das Dritte Reich mit seinem Rassismus und einem schrecklichen Genozid.

Um diese für Mutanten totbringende Zeit 2023 zu verhindern, reist Wolverine (Hugh Jackman) ins Jahr 1973 zurück. Er muss die damals verfeindeten Charles Xavier (McAvoy) und Magneto (Fassbender) zur Zusammenarbeit bewegen, um das Ereignis zu verhindern, das in letzter Konsequenz zur massenhaften Auslöschung der Mutanten durch die Sentinals im Jahr 2023 führt: Mystique (Jennifer Lawrence) erschießt den Erfinder der Sentinals ("Game of Thrones"-Star Peter Dinklage), eigentlich um die Fertigstellung der Waffe zu verhindern. Doch sie erreicht damit das genaue Gegenteil. Wird dieser Mord aber verhindert, so die Idee, dann wird die Zukunft der Mutanten 2023 nicht so düster aussehen.

Wolverine fährt seine Krallen aus © 2014 Twentieth Century FoxUnd in genau dieser Idee legt das zweite Manko des Filmes. Die X-Men-Filme wollen immer auch im Subtext ein Statement gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sein. Trotz aller Action wollen sich die X-Men mit einem gewissen Anspruch schmücken - und scheitern immer wieder. Im Falle von "Zukunft ist Vergangenheit" ist die Idee, ein Völkermord, wie hier im Jahr 2023 dargestellt, würde durch ein einziges Ereignis ausgelöst oder eben verhindert werden können, ist viel zu kurz gedacht. Und: Das blendet die vielen Millionen Menschen aus, die ein solch grausames Regime aktiv unterstützen oder zumindest dessen Tun billigend in Kauf nehmen.

Wer aber von der Erwartung Abstand nimmt, einen Actionfilm mit gewissem Anspruch zu sehen, der wird begeistert sein von diesem neuesten X-Men-Abenteuer. Bryan Singer ist ein großartiger Film gelungen, was vor allem an Hugh Jackman liegt, dessen Wolverine zwar cool ist, sich aber gleichzeitig nicht immer ganz ernst nimmt. Aber auch Stars wie Michael Fassbender und Jennifer Lawrence zuzusehen, macht Spaß.

Außerdem sind die Actionszenen spannend inszeniert und die Special Effects beeindrucken ebenso, wie in den Vorgängerfilmen. Ganz nebenbei hat die Zeitreise mit den daraus verbundenen Konsequenzen für die Zukunft der Mutanten für die Filmemacher den Vorteil, dass sie sich nun ganz frei überlegen können, wie sie die X-Men-Reihe fortsetzen - mit den jungen oder den älteren Mutanten. Insofern verändert "Zukunft ist Vergangenheit" das gesamte filmische X-Men-Universum und ist schon daher ein Muss für Fans der Mutanten um Wolverine, Storm, Mystique, Magneto und Professor X.

Von Stephan Voigt

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