1,5 Milliarden Dollar hat der erste Avengers-Superheldenfilm in die Kassen gespült, die Erwartungen von Studiobossen und Fans waren also überdimensional groß, als nun der zweite Teil rund um Iron Man, Hulk, Captain America, Thor und Black Widow in die Kinos kam. Haben sich die drei Jahre Wartezeit gelohnt?

Die Frage ist nach wenigen Minuten beantwortet, denn Regisseur Joss Whedon, der auch 2012 beim ersten Teil das Sagen hinter der Kamera hatte, startet ohne Umschweife mit einer fulminanten Actionsequenz, in der die Superhelden versuchen, die Festung des Nazi-Generals Baron von Strucker (Thomas Kretschmann) einzunehmen. Schon in diesen ersten Minuten wird die Formel klar, die Whedon sich für diesen zweiten Avengers-Film ausgedacht hat: grandiose Special-Effects, spannende Action, der für die Marvel-Comicverfilmungen typische Humor und eine gewisse Düsterheit.

Ebenfalls typisch für die Marvel-Verfilmungen ist, dass die einzelnen Filme eng miteinander verwoben sind, aufeinander aufbauen und Anspielungen auf Vorgänger enthalten, dabei aber dennoch eigenständig wahrnehmbar sind. Auch das ist bei "Avengers 2: Age of Ultron" so. Er setzt direkt nach den Geschehnissen des letzten Captain-America-Soloabenteuers ein, die gute Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. ist von der Schurken-Organisation Hydra unterwandert worden und zerbrochen, die Avengers sind des Kampfes müde, aber irgendwer muss die Welt vor irdischen und außerirdischen Bedrohungen beschützen. Und so schaffen Tony Stark (Robert Downey Jr.) und Bruce Banner (Mark Ruffalo) mit Hilfe künstlicher Intelligenz den Roboter Ultron, der fortan mit anderen Maschinen die Welt beschützen soll. Doch etwas geht schief, denn für Ultron ist das Übel auf der Erde die Menschheit - und die will er also vernichten.

Regisseur Whedon lässt den Zuschauer kaum Luft holen. Der Film beginnt mit einer großartigen Actionsequenz und hält nahezu während der gesamten 141 Minuten das hohe Tempo. Immer wieder kommt es zu beeindruckenden Kämpfen zwischen den Helden und dem Roboter, aber auch die Avengers untereinander gehen sich zwischendurch an den Kragen - ein Hinweis auf die Ereignisse des im kommenden Jahr erscheinenden dritten Captain-America-Films, in dem sich der Titelheld und Iron Man entzweien werden. Und für die Zeit, in der es zu keinen Kämpfen und Explosionen kommt, hält Whedon wieder einige komische Szenen parat, die Fans sicher noch am nächsten Tag gerne zitieren und sich erzählen. Ein Highlight ist die Szene, in der die Helden nacheinander vergeblich versuchen, Thors Hammer anzuheben. Hier wird die Selbstironie, die für die Marvel-Filme so typisch ist, ganz besonders deutlich. Außerdem zeigt sich, wie gerne die Schauspieler offensichtlich in ihre Rollen schlüpfen und wieviel Spaß sie daran haben.

Mit Scarlet Witch (Elizabeth Olsen: "Godzilla", "Oldboy") und Quicksilver (Aaron Taylor-Johnson: "Savages", Kick-Ass") sind nun auch zwei neue Charaktere mit Superkräften zu sehen, die bereits in der Schlusssequenz des zweiten Captain-America-Films kurz eingeführt wurden. Sie gehören zu den Verbündeten von Ultron und bringen eine neue Farbe ins Marvel-Universum und ergänzen die bisher bekannten Charaktere sehr gut. Und dieser Nachschub an neuen Personen ist auch nötig, da Helden wie Tony Stark/Iron Man mittlerweile längst nicht mehr so im Fokus stehen, wie bislang. Kein Wunder: Der Vertrag von Robert Downey Jr. läuft bald aus, er wird Iron Man wohl nur noch im dritten Avengers-Film (der in zwei Teile geteilt wird) und im nächsten Captain-America-Soloauftritt spielen. Marvel ist also daran gelegen, neue Helden aufzubauen und das Team der Avengers zu ergänzen. Besonders mit Elizabeth Olsen als Scarlet Witch haben die Produzenten einen guten Griff getan, weil sie das Superhelden-Ensemble weiblicher macht.

Die Quotenfrau bislang ist Scarlett Johansson als Black Widow, die dieses Mal mehr Szenen hat als zuvor und in einer zusammen mit Mark Ruffalo als Bruce Banner/Hulk sogar ihr schauspielerisches Können für einen Actionfilm außergewöhnlich gut zeigen kann und muss. Ansonsten lebt der Film - typisch für das Genre - weniger von den Qualitäten der Darsteller, obwohl unter ihnen sehr gute ihres Faches sind, als vielmehr von den Special Effects und den Explosionen. Darüber schaut der Fan aber gerne hinweg, denn Regisseur Joss Whedon beweist hier einmal mehr, dass er und die Marvel Studios die Mixtur eines gelungenen Superhelden-Action-Popcorn-Kinofilms bestens beherrschen. Kurzum: Auch wer sehr hohe Erwartungen an "Avengers 2: Age of Ultron" hat, wird nicht enttäuscht werden, auch wenn ihm die inhaltliche Tiefe und politische Aktualität fehlt, die "Captain America: The Return of the first Avenger" hatte.

Von Stephan Voigt

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