Erste Schritte im Musikgeschäft machte Cassandra Steen bei der Rap-Gruppe Freundeskreis als Gastsängerin, gemeinsam mit Moses Pelham und Martin Haas bildete sie danach die Band Glashaus und wurde einem breiten Publikum bekannt. Es folgte die Trennung von Pelhams Label 3p und ein sensationell erfolgreiches Solo-Album namens "Darum leben wir". Nun erschien ihr dritter Solo-Longplayer "Mir so nah". Und der hat Überraschendes zu bieten.

Neben Xavier Naidoo, Adel Tawil von Ich+Ich, Ruben Rodriguez, Beatzarre und Djorkaeff waren nun auch die Glashaus-Macher Moses Pelham und Martin Haas als Produzenten tätig. So heterogen wie die Produzentenliste klingt, so unterschiedlich ist auch der Sound auf dem neuesten Cassandra-Steen-Werk.

Dabei macht die Stuttgarterin auf ihrem 2011er Album dort weiter, wo sie bei ihrem vorherigen Longplayer aufhörte. Die ersten beiden Songs, die erste Single "Gebt alles" und "Lange genug Zeit", klingen nach Pop-R&B-Einheitsbrei und wenig inspiriert. Danach aber folgt ein erstes Highlight. "Soo" ist ein wunderschönes Liebeslied auf weichem-melodischem Beat. Traumhaft, wenn Cassandra Steen im Refrain singt: "Ich wär soooo gern die Frau zu der Du abends heimkehrst / soooo gern in Deinen Armen / Da ist soooo viel zwischen uns. Zwischen uns ist ein Meer / Und ich bin zuuuu zu schüchtern es zu sagen". Mit dem Ende einer Beziehung hingegen beschäftigt sich das ebenfalls hörenswerte und melancholische "Ich fühl es nicht". Über ein langsames Klavier-Instrumental singt sie: "Auf einen Schlag scheint alles vorbei / ungeplant und unerwartet / Nach 3.000 Tagen scheint alles vorbei / Alles ausgefühlt, ausgeartet".

Wunderbar und sogar tanzbar sind das lebensbejahende "Tanz" und das zunächst bedrohlich wirkende, im Refrain sich aber wandelnde "Leben", in dem es unter anderem so schön heißt: "Ich suche nach dem Leben und nicht dem Sinn". Neben "Soo" sind aber "Symphonien" und "Camouflage" die Hightlights auf der Platte. Beide Songs machen - und das ist eine wirkliche Überraschung für ein Cassandra-Steen-Album - jedem Club alle Ehre. Die Produzenten Ruben Rodriguez und The Krauts haben für die Songs ganz tief in die Club-Musik-Soundkiste gegriffen und es geschafft, zwei außergewöhnliche Lieder auf dem Album zu platzieren, die sich trotzdem in das Gesamtwerk einfügen. Während Cassandra Steen auf "Symphonien" noch singt, dass es kein Ende gibt "auch wenn die Boxen explodieren" - und die Gefahr besteht bei diesem Beat tatsächlich - ist "Camouflage" ein etwas anderes Liebeslied: "Ich würd vor Dir stehen, kalt und schön / Denn mehr darfst Du nicht sehen, darfst Du nicht sehen // Heute Nacht mal ich mein Herz grün-schwarz camouflage / Denn Du darfst nichts sehen, nein Du darfst nichts sehen / Wie es schwebt, für Dich schlägt / Mal mein Herz camouflage...".

Und so sind viele der 14 Songs plus Hidden-Track hörenswert - zum Beispiel das mit ausführlichem Klavier-Intro und starken Drums daher kommende "Ich lasse jetzt los" oder "Prophetin". Leider gibt es neben den beiden ersten mit "Wenn Liebe ihren Willen kriegt" und "Gib mir mehr" weitere schwächere Stücke. Trotzdem ist "Mir so nah" ein absolut hörenswertes Album, das hier und da überrascht und das Vorgängerwerk von Cassandra Steen weit hinter sich lässt.

Von Stephan Voigt

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