"Ich find es toll, dass Ihr so am Start seid und die Tracks kaufen wollt! Ich mag sie Euch aber trotzdem lieber schenken", schrieb Sängerin Lary kürzlich auf Facebook und veröffentlichte daraufhin eine kostenfreie EP zum Download. Und die macht noch viel, viel mehr Lust auf den ersten Longplayer der Halbjamaikanerin aus dem Ruhrpott.

Lary, die mit bürgerlichem Namen Larissa Sirah Herden heißt, hat noch keine offizielle Single und kein Album veröffentlicht, ist aber dennoch längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Sie ging mit Rapper Curse auf Tour und wurde im vergangenen Jahr einem größeren Publikum bekannt, als Chima sein Album "Stille" veröffentlichte. Darauf war zwar sein Hit "Morgen" zu finden, aber auch jenes umwerfende Liebeslied namens "Kleinigkeiten", auf dem eine gewisse Sängerin namens Lary zu hören war.

Seitdem tat sich viel. Die 27-Jährige veröffentlichte einige Songs in Eigenregie auf Youtube, die sehr beliebt wurden, sie ging mit Flo Mega auf Tour, war bei einigen Konzerten der Fantastischen Vier mit von der Partie, wurde öffentlich von Jan Delay gelobt und unterzeichnete neulich einen Vertrag beim kleinen Label Chimperator. Und das brachte immerhin Rapper Cro ganz groß raus...

Dass diese Geschichte kein Märchen sondern der gerechte Lohn für die Arbeit einer talentierten Sängerin ist, kann nun jeder kostenfrei und legal nachhören. Auf ihrer EP "Lary says" ist nämlich das bisher bekannte Schaffen der Wahl-Berlinerin zu hören. Nach dem kurzen Intro beginnt die EP mit dem Song, der Jan Delay dazu veranlasste, seine Fans auf Lary hinzuweisen. "Bedtime Blues" hält genau das, was der Titel verspricht - einen echten Blues-Song über den Frust, allein im Bett zu liegen. Lary ist auf der Suche nach Sex und spricht es ganz offen aus. Über ein dramatisches Instrumental heißt es da: "Allein zu Haus, aber kein Kevin // Noch nichtmal Youporn kann mich retten." Diese Offenheit, dieses Sprechen über Sex und Internet-Pornos von einer Frau? Das ist gewagt, das ist gut, das ist Lary!

Auf "Sirenen" inszeniert sich die Sängerin als männerfressender Vamp, der das (angeblich) starke Geschlecht - genau wie die Sirenen in der Sage des Odysseus - spielend um den Finger wickelt. "Mein Reich kommt, dein Wille geht", singt sie über ein mysteriös-düsteres Instrumental, das genau das ausdrückt: Die Hitze einer langen Liebesnacht.

Nur Sex, Sex, Sex? Nein. "Paris" ist dann ein schönes Liebeslied über das flüchtige Treffen mit einem Fremden. Über ein Klavier-Instrumental und ein Schnippsen singt Lary über den Fremden, der so schön am Eingang lehnt, der sein Cap so unverwechselbar nach hinten dreht und der so cool geht. "Ich mag wie du deine Kippe rauchst // Hör nicht auf, hör nicht auf, hör nicht auf // Als wenn du nichts und niemanden brauchst // Hör nicht auf, hör nicht auf, hör nicht auf // Wie du ohne Hände Schlösser baust // Hör nicht auf, hör nicht auf, hör nicht auf // Dein Blick streift mich, wie ein Pistolenlauf // Halt ruhig drauf, halt ruhig drauf, halt ruhig drauf", singt Lary dieses Mal gar nicht selbstbewusst-bezirzend wie auf "Sirenen", sondern sanft, geradezu zerbrechlich.

Ganz anders ist "System". Das dazugehörige Video wurde auf Youtube fast 200.000 Mal angeklickt. Der Track befindet sich auf der EP in einer Akustik-Version mit The Ruffcats und bringt wirklich jeden zum Tanzen und Mitsingen. Und ganz nebenbei kann Lary hier auch ihre Live-Qualitäten und ihre fantastische Stimme präsentieren.

Und so kann die 27-Jährige auf gerade einmal sechs Anspielstationen die Bandbreite ihres Repertoires beweisen, das von Pop über Blues und R&B bis Rock und Elektro reicht. Lary selbst schreibt, ihre Musik sei für die Girls - und die Jungs, die ihnen nachschauen. In Kurzform nennt sie diese Mischung Future Deutsche Welle. Man sollte sich diesen Begriff merken, denn nach "Lary says" ist klar: Wir werden noch viel von der jungen Sängerin hören. Und das ist großartig!

Von Stephan Voigt

Die EP "Lary says" kann hier kostenfrei heruntergeladen werden.


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