Alles begann mit ein paar "Kleinigkeiten". So heißt der Song von Chima, auf dem auch die Sängerin Lary vertreten war. Eben dieses Lied machte aus der Düsseldorferin mehr als nur einen Geheimtipp. Nun erscheint ihr Debüt-Album "FutureDeutscheWelle".

Schon der Albumtitel legt die Messlatte für den Longplayer hoch, denn schließlich war die Neue Deutsche Welle eine neue musiklaische Zeitrechnung in Deutschland. Kann Lary nun auch eine neue Ära einläuten und das ausgerechnet schon mit ihrem ersten Werk?

Tatsächlich beginnt "FutureDeutscheWelle" gleich sehr vielversprechend. "Jung & Schön" ist programmatisch für das Album, besingt Lary darauf doch die Magie des Jungseins, des Unbekümmertseins und das Gefühl, die Welt liege einem zu Füßen: "In Strobolicht und Großstadtlampen sind wir an der Macht." Was kostet die Welt? Warum ums Morgen kümmern? Diese Attitüde taucht immer wieder auf dem Longplayer auf. Lary bejubelt ein Leben, das aus Feiern, Tiquilatrinken und dem Mitgehen mit Fremden besteht. Dabei ist "Jung & Schön" aber nicht nur ein Hohelied auf den Hedonismus der Jugend, denn die letzten, verzweifelt gesprochenen Worte des Songs lauten: "Wer liebt uns, wenn wir nicht mehr jung und schön sind und wild sind?"

Lary aber ist jung, schön und vielleicht auch wild. Und so werden auf dem nächsten Track, dem schon auf ihrer Free-EP zu hörenden "Sirenen", eben die Verführungskunst einer Frau und der Rausch einer Partynacht besungen: "Komm näher, verdräng dich im Neonlicht // Morgen gibt es nicht."

Auch das ist immer wieder Thema: Sex und Liebe! Dabei schwankt Lary zwischen der Rolle einer Frau, die sich (wissendlich) in die falschen Männer verliebt ("Kryptonit") und der Verführerin, die bewusst mit Männerphantasien spielt. Besonders deutlich ist das bei "Rot", auf dem Lary von Küssen, die rot schmecken, von Liebemachen auf dem Rücksitz singt. "Man ist so alt, wie man sich traut", haucht die 28-Jährige dabei ins Mikrophon und erzählt dabei mit diesem einen Satz mehr erotische Geschichten, als es die explizitesten Rap-Texte vermögen.

Thematisch hat Lary also viel zu bieten: Vom euphorischen Partysong zur melancholischen Ballade ("Allein"), vom Track über eine glückliche Beziehung ("Lieder über Liebe") bis zum Song über die zerstörerische Kraft der Liebe, einer modernen Romeo-und-Julia-Version ("Revolver"). Musikalisch ist "FutureDeutscheWelle" ebenso vielfältig und lässt sich kaum in eine Schublade stecken. "Propeller" ist ein echter Clubbanger, "Lieder über Liebe" hingegen ist ein klassischer Popsong mit Ohrwurmqualitäten, "Jung & Schön" ist am ehesten R&B, "Sturm und Drang" hat Elektroeinflüsse wie sehr viele der Tracks und "Hollywood" klingt tatsächlich nach Neuer Deutscher Welle.

Ob Lary damit aber tatsächlich ein neues Kapitel deutscher Musikgeschichte öffnet, bleibt abzuwarten. Fest steht aber, dass Lary einen ganz eigenen Sound hat und sich von anderen Pop-Artists abhebt. Mainstream ist sie sicher nicht. Das spricht nicht für die ganz hohen Chartpositionen, dafür aber für Seele und Originalität. Und davon gibt es in der Popmusik viel zu wenig.

Von Stephan Voigt

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