"Barrikaden von Eden" ist der originelle Titel des vierten Albums der Söhne Mannheims um Xavier Naidoo. Dass der sonst doch eher ruhige Soul-Sänger etwas Revolutionäres haben soll, wie der Albumtitel verheißt, scheint kaum vorstellbar. Und diese Ansicht ändert sich nach dem Hören der CD auch nicht wirklich.

Der erste Song des Langspielers heißt dann auch gleich "Barrikaden von Eden" und beginnt so, wie man es erwarten kann: düster, ruhig, textlich leider wenig überzeugend ("In meinem Königreich / Wird kein König reich / Wird man König leicht / Wird man durchgereicht"). Dafür überzeugt der laute, von einem schnellen und aggressiven Bass getriebene Refrain ("Heute Nacht gehen wir auf die Barrikaden, Barrikaden von Eden") umso mehr. Dieser leicht revolutionäre Ton ist immer wieder auf dem Album zu finden, setzt sich aber nicht konsequent fort - zum Glück, würde das das Album doch eintönig machen. Song zwei, die Singleauskopplung "Ist es wahr (Aim High)" passt thematisch noch dazu ("Ist es wahr: Für euch ist Deutschland nur ein sinkendes Schiff / Ist es wahr: Das ist der Grund dafür, dass Ihr euch alle verpisst"), ist aber musikalisch leider viel zu leise und daher insgesamt leider wenig konsequent.

Bis zum ersten wirklichen Highlight des Albums muss man lange warten. Erst der fünfte Song, "Freiheit", kann vollkommen überzeugen und endlich auch einmal berühren. Die Söhne Mannheims um ihr Mastermind Xavier Naidoo besingen darin die Freiheit über ein langsames Klavier-Instrumental, auf dem auch Rapper Metaphysics, der zusammen mit Naidoo viele Texte der CD schrieb, nicht wie ein Fremdkörper wirkt: "Wenn ich nicht weiß und du nicht weißt / was Freiheit heißt / Wofür habn wir dann gelebt? / Nur fürs Fressen, Kiffen, Fernsehn? / Wovon haben wir gelebt? / Wirklich nur von Wasser, Nahrung, Wärme?" Und der wunderbare Refrain: "Freiheit heißt Liebe / Freiheit heißt 'Gib mir Raum' / Freiheit heißt Treue / Freiheit ist ein Menschheitstraum / Freiheit heißt Rücksicht / Freiheit heißt Toleranz / Freiheit heißt 'Hilf Mir' / Ich glaube Freiheit bleibt weiterhin unbekannt".

Nach dem ganz gefälligen "Oben oder unten", auf dem es um eine Beziehung oder Affäre geht, aus der eine Liebe wird, folgt mit "Neustart" wieder einer der besseren Songs. Es geht um die vergehende Zeit und darum, dass man Zeit nicht so wichtig nehmen sollte. Über einen dumpfen Bass singt/rappt Naidoo: "Tick, tack, die Zeit vergeht / lass die Zeit doch einfach stehn / Das ist der Eindruck der entsteht / wenn ich Zeit verstreichen seh" Und wenig später heißt es mit kleinem Augenzwinkern: "Warum schaust Du so angestrengt / zur Uhr auf Deinem Handgelenk? / Läufst unversehens auf die Straße - Bums, tot. Gerade abgelenkt."  Unfreiwillig komisch wird der Song allerdings, als ähnlich wie beim 90er-Jahre-Hit "1, 2 Polizei" hochgezählt wird: "Eins, zwei: Liebe muss sein / Drei, vier: Bleib noch hier / Fünf, sechs: Wie ausgewechselt..."

Danach folgen wieder zwei sehr gute Lieder, die zu den besten der CD gehören: die wunderschöne englischsprachige Ballade "Loneley", auf der endlich auch einmal neben Naidoo weitere Sänger der Söhne Mannheims wirklich im Vordergrund singen dürfen. Noch besser ist das treibende "Ich lern was über dich", in dem es heißt: "Ich lern was über Dich / Hör gern was über Dich / Schau verliebt in Dein Gesicht / Verliebt in Deine Geschichte". Nach zu vielen mäßigen bis allenfalls guten Songs ist das Ende des Albums ein Highlight - "Für Dich", ein Lied für alle Eltern, die sich für ihre Kinder einsetzen, sie großziehen und dabei auch durch so manche Schwierigkeit gehen. "Wie konntet Ihr das durchstehen / Ohne Amoklauf und Durchdrehen?", fragt Naidoo darin ganz richtig.

Insgesamt hat "Barrikaden von Eden" einige schöne Lieder und wenige wirkliche Highlights zu bieten. Berühren können leider die wenigsten Songs. Dafür besitzen die meisten Lieder enorme Live-Qualitäten und können bei Konzerten das Publikum garantiert mitreißen.

Von Stephan Voigt

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