Ein kleiner Jazz-Club irgendwo im Keller, die Menschen sitzen bei Kerzenlicht an kleinen Tischen, auf der Bühne in schummrigem Licht steht eine kleine Band mit einer deutschen Soul- und Blues-Sängerin. Diese Vorstellung kann man haben, wenn man beim Hören des neuen Joy-Denalane-Albums "Maureen" die Augen schließt.

Zahlreiche der zwölf Songs auf Denalanes mittlerweile drittem Album sind mit Klavier, Bläsern und Background-Chor so arrangiert, dass man zwangsläufig an einen intimen Jazz-Club denken muss. Die warme Stimme der Sängerin rundet diese Vorstellung dazu noch ab, die erstmals beim zweiten und dritten Titel, "Frei" und "Der Tag ist nah", aufkommt. Das sind zwei Songs, die das Ende einer Beziehung behandeln - ein Thema, das immer wieder aufkommt. So auch bei dem eher klassischen R&B-Song "Nie wieder, nie mehr", das Denalane gemeinsam mit Julian Williams, besser bekannt als J-Luv, aufgenommen hat. Über einen mysteriös-düsteren Beat singt sie: "Das eingestürzte Haus / wirft seinen Schatten über uns. / Hier steh ich und frag mich, wie konnte das passieren / Seh unser Fundament / Verschüttet unter grauem Dunst."

Natürlich gibt es auch Songs aus glücklicheren Zeiten. So zum Beispiel das mit samtig-warmer Stimme gesungene "Siehst du mich", in dem es um eine junge Liebe und die Sehnsucht nach dem Partner geht: "Ich sehmich nur mit Dir / Will Dich hier bei mir / Sehn mich so nach Dir / Wünsch, Du wärst bei mir... ." Ein anderer Song setzt einen Schritt davor ein - nämlich wenn man verliebt aber noch nicht zusammen ist. Die Wünsche und Zweifel beschreibt Denalane sehr treffend: 

Das Album beginnt allerdings schon furios mit der ersten Single "Niemand (Was wir nicht tun)". Ein Song, der mit dem treibenden Beat und den dominanten Bläsern ebenfalls nicht in den kleinen Jazz-Club passt, dafür aber nach den ersten Takten mitreißt und zum Tanzen verleitet. Denalane singt davon, dass jeder Mensch gegen Ungerechtigkeiten selbst angehen muss. "Können wir Liebe predigen / Wenn uns der Glaube teilt / Können wir noch einen Feldzug führen / Und meinen, dass er uns eint." Ähnlich gut gelaunt hört sich das funky "Rosen" an. Darin macht sich die Sängerin für Frauen stark. Sie sollen ihr Leben leben, wie sie es für richtig halten. Denn: "Was sind Rosen ohne Dorn'? / Nicht mehr das selbe wie zuvor."

Insgesamt ist "Maureen" ein abwechslungsreiches, frisches und erwachsenes Album. Es besticht vor allem durch die warme Stimme der Sängerin und die wunderbaren Arrangements, für die sich unter anderem Joy Denalanes Ex-Mann, der ehemalige Freundeskreis-Rapper Max Herre, verantwortlich zeigt. Bleibt zu hoffen, dass der Ausflug ins Englische auf Denalanes vorigem Album ein einmaliger bleibt. Auf Deutsch ist sie so viel besser, auch wenn der einzige englischsprachige Song auf "Maureen" namens "Hapiness" absolut überzeugt.

Von Stephan Voigt

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