"Ihr habt lang genug gewartet, dass ein Album erscheint..." So, wie das erste Kool-Savas-Album könnte auch das von seinem Schützling, dem Sänger Moe Mitchell aus Bremerhaven, beginnen. Seit gefühlten Ewigkeiten wird die Zusammenarbeit von Moe Mitchell als Sänger, dem Rapper Kool Savas, der als Songschreiber fungiert, und Produzentin Melbeatz angekündigt. Jetzt können sich die Fans das Ergebnis endlich zu Gemüte führen. Dabei werden sie sich fragen, was genau sie da hören.

Der Albumtitel MMS stand einmal für Moe, Melbeatz und Savas. Mittlerweile werden die Buchstaben auch mit "Musik mit Seele" übersetzt - man ist erwachsen geworden. Das Albumcover unterstreicht das noch: Man sieht den Sänger im schicken karrierten Hemd lächeln. Keine tief sitzenden Baggypants mehr, keine Rapper-Attitüde, die der Bremerhavener noch als Backup seines Mentors Kool Savas an den Tag gelegt hat. Und tatsächlich sind einige Songs tatsächlich erwachsen, gefühlvoll. Allen voran "Joe Black", in dem Moe Mitchell über ein ruhiges Klavier-Instrumental die Rolle des Todes einnimmt, der immer wieder Menschen mitnimmt und dabei zusieht, wie die Gestorbenen um ihr Leben weinen und wie die Hinterbliebenen um den Verschiedenen trauern: "Ich seh wie sie trauern, doch ich frag mich um wen / Da sind Tränen in ihren Augen, wenn sie hoch zu dir seh'n / Du schaust sie genau an, wie sie gerad' jetzt da steh'n / willst ihnen so gerne sagen: 'Macht euch bloß keine Sorgen, es ist alles okay.'"

Im von Frank Werker alias Franky Kubrick geschriebenen "Meine Stadt" beschäftigt sich Mitchell mit Trost- und Arbeitslosigkeit seiner Heimatstadt Bremerhaven. Der Beat transportiert die Düsternis einer Arbeiterstadt perfekt und Moe Mitchell geht mit seiner Stimme eine Symbiose mit dem Beat ein. Allerdings ist hier in einigen Passagen doch wieder die HipHop-Attüde zu spüren. Wenn Moe von seinen Blocks singt, denkt man zwangsläufig an die vielen Hymnen diverser Rapper an ihre Nachbarschaft und zwielichtigen Freunde.

Dass die elf Songs des Albums vor allem von zwei Rappern geschrieben wurden, hört man ihnen an verschiedenen Stellen an. Vor allem die zahlreichen Liebeslieder leiden deutlich darunter, dass die Frauen immer wieder - nicht gerade erwachsen - als Babe und Baby betitelt werden. In "Gangster" wird die Geliebte sogar als "Olle" bezeichnet, was in diesem Zusammenhang - es geht um eine Beziehung, in der die Partner ständig streiten, sich aber trotzdem lieben - zwar irgendwie passt, aber dennoch negativ auffällt.

Im Übrigen müssen sich die Beteiligten fragen lassen, was sie mit dem Album erreichen wollten. Moe Mitchell hat in mehreren Interviews betont, die Drei wollten einen gewissen Vibe einfangen. Welcher Vibe aber soll das sein? Viele der Songs klingen etwas nach amerikanischem R&B, nach tanzbaren Liebesliedern. Klasse gelingt das bei "Feuer & Flamme", bei anderen Tracks hingegen weniger. Melbeatz kann man kaum Vorwürfe machen, die Instrumentals und Beats sind durchweg gelungen, was aber vergessen wurde ist das Gefühl. Lediglich "Joe Black" und "Meine Stadt" können berühren, "Feuer & Flamme" hat Ohrwurmqualitäten und dann ist viel Füllstoff dabei, wie das überflüssige "Stern". Am deutlichsten wird der Zwiespalt bei "Roboter": Das Instrumental ist sehr gelungen, der Refrain hat Ohrwurmqualitäten und nach kurzer Zeit muss man einfach mitsingen. Aber: Inhaltlich geht es um eine wunderschöne Frau, die so perfekt aussieht, dass sie kaum menschlich sein kann, also mit einem Roboter verglichen wird. Dass dieser Vergleich nicht nur hinkt sondern teilweise sogar beleidigt ("Kein Herz, nur Stahl und Metall") ist offensichtlich.

Insofern klingt MMS rund, hat hier und da auch hörenswerte Songs zu bieten, aber das Gefühl fehlt zu oft. Also: Gut gemeint, aber nur nett gemacht.

Von Stephan Voigt

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