2001 verzauberte Soulsängerin Alicia Keys mit ihrem Hit "Fallin'" die Welt, ihr Debütalbum "Songs in a Minor" wurde ihr Durchbruch. Dann brachte es die Künstlerin zwei Jahre darauf fertig, mit ihrem nächsten Album ihr erstes sogar zu toppen. Nun, anno 2012, erschien ihr fünftes Studioalbum, nachdem die beiden davor leider enttäuschten.

Es ist das Schicksal vieler Künstler, dass sie auch nach langen Karrieren nie wieder das Niveau ihrer frühen Werke erreichen. Wer zum Beispiel kennt nicht "Satisfaction" von den Rolling Stones? Und wer kennt "Doom and Gloom", die Stones-Single aus dem Jahre 2012? Und wer wird behaupten können, Madonnas "Like a Virgin" nicht zu kennen? Was aber ist mit ihrem Hit "4 Minutes", der sie und Justin Timberlake 2008 ganz oben in die Chartes katapultierte? - Vergessen! Diese Liste könnte ewig weitergeführt werden und bis vor wenigen Wochen müsste sie auch Alicia Keys beinhalten, deren letzte Alben "As I Am" (2007) und "Element of Freedom" (2009) zuviel poppiger R&B waren und zu wenig davon zeigten, was die eigentliche Stärke der schönen New Yorkerin ist.

Wenn sich Alicia Keys an ihren Flügel setzt und über die Liebe und das Leben singt, dann spürt man ihren Soul, merkt, was ihr Talent ist: über minimalistische Instrumentals große Gefühle zu vermitteln, den Hörer mit ihren poetischen Texten zu packen und mitzureißen. Schon das Intro, ein Klavier-Solo, macht nun auf "Girl on Fire" Hoffnung, dass Alicia Keys sich wieder auf ihre Stärken besinnt. Und tatsächlich sind die ersten Stücke ihres neuen Longplayers schöne R&B-Nummern. Wenn sie auf "Brand New Me" davon singt, wie sie sich von einem Mann emanzipiert und auf "Listen to your Heart" eben davon singt, nicht immer nur zu denken sondern auch einmal auf das Bauchgefühl zu hören, dann klingt das schon wieder sehr nach der "alten" Alicia Keys. Das ist guter R&B, der hier und da vielleicht noch etwas zu poppig klingt.

Dass ausgerechnet "New Day", eine Partynummer, an der der Produzentenübervater Dr. Dre beteiligt ist, der Totalausfall schlechthin auf "Girl on Fire" ist, verwundert. Das liegt aber nicht an dem Produzenten, der zusammen mit Swizz Beatz einen hervorragend bouncenden Beat auf den Hörer loslässt. Das Problem an der Nummer ist, dass derartige R&B-Songs von anderen - Beyonce und Rihanna zum Beispiel - deutlich besser gesungen werden und zu denen auch besser passen. Alicia Keys' Ding ist diese Partymusik nicht, was sie hier eindrucksvoll unter Beweis stellt - leider. Auch nicht viel besser ist der Titeltrack des Albums, "Girl on Fire", der hier in der Inferno-Version zusammen mit Rapperin Nicki Minaj, die offensichtlich wenig Lust auf den Song hatte, zu hören ist. Als erste Single-Auskopplung eignet sich die Pop-Nummer sicher gut, weil sie radiotauglich ist und für viel Aufmerksamkeit sorgt. Fans dürfen aber mehr von Alicia Keys erwarten.

Und das bekommen sie dann auch. Die zweite Hälfte des Albums zeigt eine Alicia Keys in Bestform und macht ihren neuen Longplayer nicht nur empfehlenswert sondern zu einem Pflichtkauf.

"Tears always win" ist ein wunderschönes und fröhliches Liebeslied, das auch dank des zwar simplen aber dadurch umso eindrücklicheren Textes sehr schnell zum Mitsingen einlädt: "These covers may keep me warm at night / But they can't take your place 'cause they're never gonna hold me tight / These pillows may let me rest my head / But they can't say goodnight and tuck me in before I go to bed." Zum Zuhören und den Worten Alicia Keys' Lauschen laden hingegen "That's when I Knew" und "One Thing" ein. Besonders wenn die New Yorkerin auf "That's when I Knew" zur Akustikgitarre über diesen einen eigentlich gar nicht besonderen Moment singt, in dem sie plötzlich bemerkt, dass sie ihr Gegenüber liebt, dann zeigt sie ihr Einfühlungsvermögen, ihre Beobachtungsgabe und ihr Talent, den Zauber eben dieses Moments einzufangen und dem Hörer zu vermitteln: "Right there / in the middle of the conversation / it wasn't anything special you said / it was just there right then / I didn't have the time to even overthink it / I looked at you / and all of a sudden / I was all-in / it's like my knees are all weak and them butterflies / they were dancing, taking all of my air..."

Wenn die Multimillionären auf "Not even a King" davon singt, dass kein noch so reicher König das hat, was sie und ihr Mann haben - die wahre Liebe nämlich -, dann muss Keys sich gefallen lassen, dass man denkt, dass jemand, der mit 30 Jahren bereits mehr als 30 Millionen Alben verkauft hat, soetwas gut singen kann.  Dennoch ist "Not even a King" mit dem warmen Piano-Instrumental ein wunderschönes und berührendes Liebeslied, der beste Song von Alicia Keys seit Jahren und allein schon den Kauf des Albums wert: "The Kings never felt that / Yeah this is the song we sing / We don't need anything / They can't affort this / This is priceless."

Von Stephan Voigt

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