"Einzige Mucke, bei der man das, was man sagt auch verkörpern muss", zitiert sich Rapper Megaloh zu Beginn seines neuen Albums gleich selbst. Danach folgt ein Sample der glorreichen Stieber Twins: "Ich weiß, das was ich weiß, das weiß ich. Rap ohne Weitsicht? Uuuh, ich weiß nicht." Und so ist nach wenigen Sekunden klar, was Megaloh auf 15 Tracks vor hat - ehrliche Musik machen und die Brücke von der goldenen Rap-Ära der 1990er zum Heute schlagen. Und der Plan geht auf!

 

Ebenso schnell, wie der Berliner die Marschrichtung seines neuen Albums vorgibt, so schnell wird auch deutlich, dass Megaloh erwachsen geworden ist. Gleich im zweiten Track, "Loser", erzählt er über ein bouncendes Instrumental von seinem Alltag, der eben nicht aus den typischen Rapper-Klischees - feiern im Club und Frauen abschleppen - besteht, sondern daraus, jeden Morgen früh aufzustehen, um im nicht wirklich heiß und innig geliebten Job Geld für seine Familie und die Miete zu verdienen. Dass er mit dem Stereotyp des harten und kriminellen Rappers nichts zu tun haben will, macht Megaloh ganz deutlich: "Verbrechen - vielleicht lohnt es sich // Doch was macht meine Frau ohne mich?"

Was hat bei dem Berliner Rapper für diesen Sinneswandel gesorgt? Was machte aus dem Battlerapper einen, der Geschichten aus seinem Leben erzählt, dem Hörer etwas vermitteln möchte? Auf "Glaub dran" gibt Megaloh die Antwort: "Heute habe ich eine Lady, die schon Kinder hat // Seh mein altes Leben, doch seh nicht mehr, was für'n Sinn das macht." Und das, so möchte man Uchenna van Capelleveen, wie Megaloh mit bürgerlichem Namen heißt, zurufen, tut nicht nur seiner neuen Familie sondern auch seiner Musik gut. Zusammen mit seinem neuen Labelchef und Mentor Max Herre, dem ehemaligen Frontmann vom Freundeskreis, ist Megaloh ein sehr persönliches und musikalisches Album gelungen.

Bestes Beispiel dafür sind die Songs "Vaterfigur", auf dem auch Sänger Chima zu hören ist, und "In deinen Augen".  Beide Tracks gehören sicher zu den bewegendsten auf dem Longplayer. Auf "Vaterfigur" wendet sich Megaloh an den Sohn seiner Frau und erklärt ihm über ein Beatgees-Instrumental, dass er dem Jungen nicht die Mutter wegnehmen möchte und immer für ihn da sein wird - mit der nötigen Strenge als Vaterfigur, aber eben auch als Freund. Beim ebenfalls von den Beatgees produzierten "In deinen Augen" nimmt Megaloh verschiedene Perspektiven ein - die des Vaters, der in den Augen seines Sohnes sich selbst als Kind erkennt und die des Sohnes, der in den Augen seines Vaters Sicherheit und Vertrauen sucht, aber nicht findet.

Neben diesen und weiteren Perlen wie den vom Produzententeam um Max Herre, Kahedi, produzierten Songs "Endlich unendlich", dem Liebeslied "Fliegen davon" mit Joy Denalane und dem grandiosen Abschluss des Albums, "Leben lieben lernen", zeigt Megaloh aber auch, dass er durch und durch Rapper ist. Und das bedeutet, dass es ihm neben Inhalten auch immer um Flow und Style gehen muss. Dass er in den vergangenen Jahren, in denen es eher ruhig um ihn geworden ist, nichts verlernt hat, beweist Megaloh gleich im ersten Track "Dr. Cooper (Ich weiß)". Dort lässt er sich auch einen kleinen Seitenhieb auf Bushido nicht nehmen. "Bestens integriert, schick Meg mal den Bambi rum", rappt er da mit Blick auf die viel diskutierte Auszeichnung für Bushido im vergangenen Jahr. Und dass hinter Tracks mit dem Namen "Yogibär" eine echte Granate stecken kann, beweist Megaloh ebenfalls. Über ein entspanntes Raggae-Instrumental legt der Rapper doch noch mal die Battle-Attitüde an den Tag. Der Track gehört zu den besten des Albums und macht soviel Spaß, dass sogar Kalauer mit einem ganz, ganz, ganz langem Bart Spaß machen: "Was jetzt, mach Stress, nicht mal Bruce will es wissen // Du sagst, du kennst jeden, doch jeden ist nicht hier // Kennst du Wayne, Junge? Wayne interessiert's." Rockig hingegen ist "Neue Schritte", auf dem auch der Hamburger Samy Deluxe zu hören ist, der mit seiner arroganten Art einen der besten Parts des Albums abliefert.

Nach 15 Songs ist klar: Megaloh hatte bislang zwar keinen kommerziellen Erfolg, aber mit der Mischung aus Style und Inhalt gehört ihm die Zukunft. Sein Erfolgsrezept tut Megaloh auf "Neue Schritte" auch gleich kund: "Hörst du mein Herz in der Bassbox, auf dem Beat wie auf einem Schlachtross?" Das Kämpfen mit und um die Herzensangelegenheit Rap-Musik scheint sich auszuzahlen. "Endlich unendlich" ist auf Platz neun der deutschen Albumcharts eingestiegen. Ein sensationeller Erfolg, dem hoffentlich noch viele weitere folgen werden. Diesem Megaloh gönnt man sie!

Von Stephan Voigt

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