Ein Album von Bushido, das man wohl zu den deutschen Rap-Klassikern zählen darf, heißt "Vom Bordstein bis zur Skyline". Das sollte bedeuten: Der Berliner Rapper kommt aus dem Ghetto und schafft es an die Spitze! Während Bushido dank grandiosem Marketing bereits Millionär ist, könnte Ruhrpott-Rapper Fard sein Album nun so nennen, wie der Berliner vor einigen Jahren. Mittlerweile erschien Fards drittes reguläres Album und beweist, dass die HipHop-Kultur immer noch Sprachrohr für diejenigen ist, die sonst keine Lobby haben.

 

Während F. Nazizi früher vor allem mit frischem Battlerap für Aufmerksamkeit sorgte - Paradebeispiel dafür sind seine 60-Terrorbars-Tracks, von denen sich auf dem aktuellen Longplayer "Bellum et Pax" wieder einer befindet - , wurde der junge Rapper nach und nach ernster, sprach über Biografisches und das Leben von denjenigen Menschen in unserem reichen Deutschland, die wegen mangelnder Bildung, mangelndem Geld und der "falschen" Herkunft wohl niemals auf der Sonnenseite des Lebens stehen werden.

Immer wieder kommt Fard darauf zu sprechen, dass er den leeren Kühlschrank und das ebenso leere Bankkonto kennt, dass er mit der Polizei zu tun hatte und dennoch stets ehrgeizig war, es zu mehr zu bringen.  Das beginnt bereits auf dem zweiten Song "Laufe & Laufe" und zieht sich dann durch das gesamte 19 Track starke Album. Dass sich die beschriebenen Szenen dabei teilweise sehr ähneln ist schade und lässt die Frage aufkommen, ob weniger nicht manchmal mehr ist. Aber wer genau hinhört, der entdeckt echte Perlen, wie diese Zeile auf "Kalt wie Gold": "Du siehst Gucci und Prada im Schaufenster // doch die Scheibe davor wird zu deinem Traumfänger."

Ebenso hochkarätig ist der Track "Ruhrpott Elite", auf dem Hamed 45 und Snaga zusammen mit Fard über einen rauen und aggressiven Beat über ihr Leben rappen und deutlich machen, dass der immer größere Unterschied zwischen Arm und Reich gefährlich zu werden droht. Besonders Snaga wird, wie schon auf Fards Vorgängeralbum "Invictus", deutlich, spricht davon, dass er den Molotov-Cocktail bereits in der Hand hat - was hier natürlich nicht wörtlich gemeint ist, spiegelt aber dennoch die Haltung der ewig Benachteiligten wieder und ist somit ein Handlungsauftrag an die Politik: Hört die Menschen, nehmt Notiz von ihnen, kümmert euch um ihre Sorgen und Nöte!

Dennoch ist "Bellum et Pax" (deutsch: Krieg und Frieden) natürlich kein verkopftes und schwermütiges Album. Das beweist vor allem "60 Terrorbars Miami Edition", auf dem Fard mal wieder über einen treibenden Beat Punchline nach Punchline auspackt und zeigt, dass er seine Wurzeln, humorvollen Battlerap, nicht vergessen hat. Ein weiteres Highlight ist "Like This", auf dem niemand geringeres als Redman zu hören ist. Der amerikanische Superstar zündet zusammen mit Fard, der hier flowmäßig seine beste Leistung auf "Bellum et Pax" abliefert, eine echte Bombe. Auch "Hakuna Matata" hat nichts mit Disney-Musik zu tun und wenn Fard auf "Rap & Ich" seine Beziehung zur Musik thematisiert, lässt er dabei keine Gelegenheit für Disses gegen Sido und Casper ("Rap und ich tragen keine Röhrenjeans") aus.

Und so hat Fards neuestes Werk wohl den einen oder anderen Track zu bieten, der es nicht auf den Longplayer hätte schaffen müssen. Dennoch ist "Bellum et Pax" ein kaufenswertes Album. Dass Fard auch ohne großartiges Marketing und ohne bekannte Namen auf der Produzentenliste kommerziell erfolgreich ist, ist besonders erfreulich. Das zeigt, dass es auch jemand schaffen kann, der seinen Weg konsequent geht und sein Ziel nicht aus den Augen verliert. Und genau das ist Fards Message: Du kannst es schaffen, mit dem Glauben an dich selbst und genug Kampfgeist. Weiter so!

Von Stephan Voigt

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