Sechs Jahre mussten Fans von Curse auf eine neue Veröffentlichung warten. Nun endlich erschien das Album "Uns" des Mindeners - und es avancierte schon zum am besten platzierten Longplayer des Rappers, obwohl es so ganz anders ist als die Vorgänger-Alben.

Curse erzählt immer noch am liebsten Geschichten vom Leben und Lieben. Neu ist dabei aber die Haltung von Michael Kurth, wie der Rapper mit bürgerlichem Namen heißt. War "Hassliebe" auf dem Curse-Debütalbum "Feuerwasser" (2000) noch von Verbitterung und "Und was ist jetzt?" auf "Innere Sicherheit" (2003) von großer Traurigkeit geprägt, hat sich bei Curse nun vieles zum Guten gewendet. Bereits der Opener von "Uns", "Tatooine", ist einer der wenigen Tracks auf dem neuesten Werk, die auch HipHop-Puristen als Rap bezeichnen werden, und richtet sich an Curse' Frau und Kind. So wie der Planet Tatooine in den Star-Wars-Filmen zwei Sonnen hat, hat auch Michael Kurth nun zwei Planeten, die Licht für ihn und sein Leben spenden - Frau und Kind. Derartige Bezüge auf das Familienleben finden sich viele auf dem neuesten Curse-Werk.

So richtet sich der zweite Song, "Millionen Mal schon", an sein Kind. Hier rappt Curse von allerlei erlebten Abenteuern, vom gemeinsamen Lego-Spiel und von den Mahnungen, doch die Hausaufgaben zu machen und die schmutzigen Schuhe vor der Wohnung auszuziehen. Track drei ist "Wir brauchen nur uns", der eine Liebeserklärung an seine Frau darstellt.

Mehr noch: "Wir brauchen nur uns" ist quasi die Fortsetzung zur 2003 veröffentichten Single  "Und was ist jetzt?" und zeigt, dass aus den gescheiterten und schwierigen Beziehungen der Vergangenheit nun ein großes gemeinsames Glück gewachsen ist. So rappt Curse: "Komm, trauen wir uns. Du bist nicht sie, ich bin nicht er. Das ist lange her, wir brauchen das nicht mehr."

Derartige Bezüge auf frühere Songs gibt es zahlreiche auf "Uns". Einer der schönsten ist wohl das Feature von Fibi Ameleya. Die Sängerin war als Kind bereits auf dem Album "Von Innen nach Außen" 2001 auf dem Fibilude zu hören. Und daran erinnern sich die beiden nun, 13 Jahre später, beim "Fibiameleyalude", bevor sie den gemeinsamen Track "Ende" anstimmen.

Ein großes Highlight des zwölf Songs starken Albums ist "Kristallklarer Februar / Für P". Auf dem minimalistisch instrumentalisierten Song spricht Curse - er rappt nicht - über die Beisetzung seines an Krebs verstorbenen Freundes Patrick Ahrend, der bei "Und was ist jetzt?" am Piano saß. Trauer, Schuld, ein schlechtes Gewissen - Curse spricht mit großer Ehrlichkeit über seine Gefühle, eine Stärke, die der Mindener sicher schon öfter gezeigt hat, die hier aber besonders zum Tragen kommt. So sagt Curse: "Du hast uns Feigheit prophezeit. Du hattest Recht - Null zu Eins." Und später: "Wieviel Ehre hat die letzte Ehre, wenn man wünscht, dass man vorher dagewesen wäre?"

Ähnlich großartig wie der Song für seinen verstorbenen Freund - und ebenfalls nicht gerappt, sondern gesprochen - ist "Menschen", in dem es um eine Beziehung am Scheideweg geht. Nach einem großen Streit und einem großen Fehler bittet Curse seine Freundin um Verzeihung und darum, mit ihm alt zu werden: "Wir sind keine schlechten Menschen. Doch wir machen so viel falsch. Du fragst: Wo soll das mit uns enden? Ich sag: Werd mit mir alt."

Insgesamt ist "Uns" aber ein sehr positives Album, vielleicht sogar das positivste von Curse überhaupt. Besonders deutlich wird seine geänderte Haltung auf "Herz zurück". Dort geht es um zwei Männer mit Liebeskummer. Doch statt sich im Leid zu ergehen, geht der Song gerade während des Refrains mit den vielen Bläsern gut nach Vorne. Kämpferisch rappt Curse, dass er das Herz vielleicht in der gescheiterten Beziehung verloren hat, dass er es sich aber wieder zurückholen möchte: "Und du sagst: Liebeskummer, weißte, ist ein komisches Ding, das dir zeigt, in deinem Herz ist noch irgendwas drin. Und jetzt liegt es in deiner Hand. Lass es los und tanz!"

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen, außer, dass es für den deutschen Rap ein echter Segen ist, dass Curse wieder da ist. Künstler wie er haben in den vergangenen Jahren gefehlt, gerade weil er nicht die Art von Rap macht, die so viele andere veröffentlichen. Bleibt zu hoffen, dass bis zum nächsten Longplayer nicht wieder sechs Jahre vergehen.

Von Stephan Voigt

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